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schmuck und Triumphpforten, das Auswärtige Amt fordert von der
französischen Regierung Aufklärung, und der politischen Rechten dient
die Köpenickiade dazu, nationalistische Ressentiments gegen den »Erb-
feind« zu schüren, zu revanchistischen Tiraden inklusive Säbelrasseln.
Der »Rückkehrer« wird als Held gefeiert, mit zahlreichen Ehrungen
bedacht und tourt als Vortragender durch die Lande. Die Note des
Quai d’Orsay an die Deutsche Botschaft in Paris in der Angelegenheit
Daub mann wird am 8. September 1932 in deutschen Tageszeitungen
ver öffentlicht. Das Ministerium des Auswärtigen beehrt sich darin,
mit zuteilen, daß trotz intensivster Nachforschungen in französischen
Archiven nicht eine Spur zu finden gewesen sei. Die französische Regie-
rung habe ja schon in einem früheren Stadium erklärt, daß sich keine
deutschen Kriegsgefangenen mehr auf französischem Boden befinden.
Am 11. Oktober 1932 wird »Oskar Daubmann« verhaftet, nachdem er
mit Hilfe von Fingerabdrücken als Karl Ignaz Hummel identifiziert
worden ist.
Symptomatisch an diesem Fall findet Kuh, daß in Deutschland der-
artige Legenden, wie »bestellt und geliefert« wirken. Im ganzen Pomp
und Trara, im »papierenen Hochschwall der Rührung, mit dem sie als
eine Art ›Denkmal des heimgekehrten Soldaten‹ zelebriert wurde, lag
etwas Altbekanntes, Irrgängerisches, das den dazugehörigen Schwind-
ler als Punkt auf dem i fast herbeizurufen schien. Es gibt Situationen,
die sich oft erst solcherart ihren Sinn erzwingen.«
Und wehe dem, der einen Mißton in den Fanfarenstoß bringt! Ein
Bekannter Daubmanns, der in einem Zeitungsartikel schlüssig seine
Zweifel an der ziemlich grob gestrickten Legende vortrug, wurde
als Vaterlandsverräter gebrandmarkt. Legenden-Stimmungen zu stö-
ren kann lebensgefährlich sein. »Aber gerade diese überrasch, sozu-
sagen von heute auf morgen auf die Beine gebrachte Front der Feier-
lichkeits-Überwacher und Ärgernisnehmer«, hätte, so Kuh, »stutzig
machen müssen. Man weiss erfahrungsgemäss zu gut, dass sie das vor-
bereitete Ehrenspalier ist, an dem die Lüge verbeidefiliert. Man weiss,
dass sie es ist, auf deren eigentliche Bestellung Narren und Schwindler
ihren Spuk treiben.« Kuh weiter: »Es gibt diesen Fall Daubmann bei
uns noch in anderen Ausgaben. Man kann die politischen Analogien
vom nächstbesten politischen Baum pflücken. Und bei manchen von
ihnen wird erst die Weltgeschichte die Enthüllung bringen müssen,
dass Daubmann-Hummel, der heimgekehrte Sohn seines Volkes, ein
Fremder war.«28
»Anton Kuh. Auch wer gegen sensationelle Ankündigungen immer
einiges Mißtrauen hegt, kann Ihnen bescheinigen, daß es Ihnen in Ihrem
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter Schübler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien