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Anton Kuh - Biographie
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367 Stegreifvortrag über den Caro-Petschek-Prozeß gelungen ist, das Thema seines reißerischen Charakters zu entkleiden und Ihre Rede über den Dreckboden, auf dem sie fußte, zu erheben. Sie haben bewiesen, daß dieser Fall mehr als eine Entgleisung Einzelner, daß er vielmehr ein Charakteristikum für die Moral des Kapitalismus ist. Und deshalb hat sich auch die Presse um Ihr Thema gedrückt, sie hat den Vortrag ver- schwiegen oder ihn bagatellisiert. Das haben Sie nicht ver- dient. Vor dem vollbesetzten Hause warfen Sie der Öffent- lichkeit vor, sie nehme brennendes Interesse an einer so üblen Sache wie dem Fall Caro – Petschek, nicht aber an dem Ge- schick, das den unschuldig hingerichteten Jakubowski und den von jeder Schuld und jedem Makel freien Carl v.  Os- sietzky betroffen habe. Darf man glauben, daß der Beifall, der Ihnen für dieses schöne Bekenntnis dankte, mehr war als der Ausdruck einer schnell wieder vorübergehenden Gefühls- aufwallung eines Sonntagspublikums?«29 Nicht von ungefähr (aber eben doch umsonst) hat sich Kuh in einer Selbstanzeige seiner Matinee im Deutschen Künstlertheater zum Thema »Caro und Petschek frei nach Shakespeare«, auf die sich der anonyme Text in der »Weltbühne« bezieht, mit dem Titel »Zu lustig, um wahr zu sein?«  – gleichsam unter dem Motto: Zu ernst, um wahrgenommen zu werden  – dagegen verwahrt, von einem Publikum, das sich durch seine Selbstpersiflagen vom Ernstnehmen entbunden glaubt und vor Be- tretenheiten in die bequeme Haltung »Der olle Aphorismen-Onkel! Er  lacht sich ja selber aus!« flüchtet, als »amüsant« qualifiziert zu werden.30 Kuh beschränkt sich in seiner Rede über den Caro-Petschek-Prozeß nicht darauf, den unter großem Mediengetöse ablaufenden Strafprozeß um eine Mitgift im Milieu der milliardenschweren Hochfinanz und Schwerindustrie,* über das zu sprechen, was das voyeuristische Inter- esse zeitgenössischer Skandalblatt-Leser befriedigte. Und das seines Publikums im Saal des Berliner Deutschen Künstlertheaters, dessen * Nicodemus (Nikodem) Caro (1871 Lodz – 1935 Rom), Chemie-Industri- eller, ist mit dem Bankier, Kohlengroßhändler und Großindustriellen Ignaz Petschek (1857 Kolín – 1934 Ústí nad Labem) in einen Familienstreit ver- wickelt, der sich zu einem aufsehenerregenden »Monsterprozeß« (6.6.1932- 23.12.1932) auswächst. (Caros Tochter Vera hat kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs Petscheks Sohn Ernst geheiratet. Bei der Scheidung der Ehe besteht Nicodemus Caro auf Rückzahlung der Mitgift in Höhe von 400.000 Reichsmark, Ignaz Petschek bestreitet, je eine Mitgift erhalten zu haben.) Berlin Deutsches Künstlertheater, 30.10.1932, 12 Uhr: »Caro und Petschek« von William Shake- speare. In freier Rede übertragen von Anton Kuh
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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