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Anton Kuh - Biographie
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368 Ungeduld  – Kuh betritt mit zwanzigminütiger Verspätung die Bühne, auf der sich als »Sensations-Requisit«31 ein Bett befindet  – sich in Trampeln, Klatschen und Pfeifen Luft macht: »Angst eines snobistischen Publikums, sich eine Sensation und die Garderobengebühr entgehen zu lassen«, ätzt der Rezensent der »Berliner Börsen-Zeitung«.32 Kuh hat nicht nur die über den polnischen Landarbeiter Josef Jakubowski ver- hängte und am 15. Feber 1926 in der Haftanstalt Neustrelitz-Strelitz mit dem Handbeil vollzogene Todesstrafe wieder einmal als das bezeich- net, was sie war: Justizmord  – er hat sich auch erlaubt, sein vergnügungs- süchtiges Auditorium an Carl von Ossietzky zu erinnern, der kein halbes Jahr zuvor seine Kerkerstrafe hatte antreten müssen, weil es den deutschen Militärs mit ihren Handlangern am Reichsgericht gelungen war, an dem mißliebigen verantwortlichen Redakteur der linken »Welt- bühne« ein Exempel zu statuieren und damit die kritische Presse wenn schon nicht mundtot zu machen, so doch nachdrücklich einzuschüch- tern. Er »redete sich verschiedene Steine vom Herzen. Sein Vortrag verwandelt sie in Edelsteine, die in vielen Farben glitzern. Das Parkett witterte hinter dem schimmernden Spass das Moralische, liess sich aber nicht irritieren und bedankte sich für die vielen bitteren Wahrheiten mit mächtigen Beifall.«33 Mit seinem Vortrag »Was würde Goethe dazu sagen?« wagt sich Anton Kuh am 23. November 1932 in sudetendeutsches Gebiet, nach Aussig. Und vollbringt dort mit seinen respektlosen Ausführungen über den »Dichterfürsten«  – Kuh bringt schon den Namen »Goethe« ohne den stimmlichen Bauchaufzug des G., der im Goethe-Jahr zu jedem Goethe-Zitat und erst recht zu jedem Goethe-Vortrag zu gehören scheint  – »eine Art zweites Wunder von Kanaan«, wie der Rezensent des »Aussiger Tagblatts« staunend registriert. Er meint damit »nicht so sehr die Umwandlung von Cognak in Esprit«, den Kuh »mit Sarkasmen gewürzt, aber auch mit Liebenswürdigkeiten gar- niert nur so aus dem Smokingärmel schüttelte«. Das Wunder, das Kuh vollbringt, der in weiten thematischen Bögen zum »dazu« im Vortragstitel führt, in die Berliner Wilhelmstraße, ins Deutschland der Jahreswende 1932/1933, zum repressiven Ungeist des Nationalismus deutscher Spielart, sieht der Rezen- sent darin, »daß alle Zuhörer von seiner Sprachgewalt gepackt wurden, mitgingen (Zustimmungsrufe u. stecknadelerprobbare Aufmerksam- keitsstille waren vernehmlicher Ausdruck), in den Spiegel, den Kuh da hinhielt, hineinsahen und daß der ganze, sehr gut besuchte große Stadt- büchereisaal (inklusive Galerie und den ersten fünf Reihen) applau- dierte, lebhaft, laut Beifall klatschte.«34 Aussig / Ústí nad Labem, Stadtbücherei, Großer Saal, 23.11.1932, 20 Uhr: Was würde Goethe dazu sagen?
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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