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Anton Kuh - Biographie
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369 Das Publikum im ausverkauften Saal der Prager Produktenbörse ist vier Tage darauf nicht nur gekommen, um Kuh zu hören, sondern auch, um über den Prozeß mehr zu erfahren, als in den Zeitungsberichten zu lesen steht. »In dieser Erwartung sah es sich allerdings ge- täuscht. Das ist nicht so sehr die Schuld Anton Kuhs […] als vielmehr des Publikums, das sich in der Vorstellung geirrt hat. Es wollte am Jahrmarkt Moritaten hören und sah einen Sche- renschleifer, der in der Dunkelheit sprühende Funken stieben ließ. / Auf den harten, klaren Rechtsfall kam es Kuh dabei nicht an. In dem Verständnis, das dem Fall vom Publikum entgegengebracht wird, entdeckte er die Mitschuld. […] Bei einer Sache, bei der es wahrhaftig nichts zu lachen gibt, wurde herzlich und viel gelacht. Nicht die Szene ward zum Tribunal, sondern das Tribunal zu einer Szene, von der Kuh aussagte, sie sei schon in Shakespeare beschlossen, dort, wo die Capulets und die Montagues einander gegenseitig Schurken nennen, und sich das herbe Los ihrer Kinder, Juliens und Romeos, erfüllt.«35 Nach seinem Vortrag, in dem er einige Spitzen gegen Karl Kraus anbringt, wird Kuh von etwa zwanzig Kraus-Jüngeln in der Halle des »Blauen Stern« attackiert. Die »Vossische Zeitung« berichtet tags dar- auf in einer anonymen Notiz über den aufsehenerregenden Zwischen- fall. Anton Kuh stellt in einer Zuschrift richtig: »Sie schreiben in Ihrer letzten Montagnummer unter dem Titel ›Konflikt um Anton Kuh‹, ich hätte den bei dem Prager Vorfall intervenie- renden Polizisten einen ›Vortrag über Karl Kraus‹ gehalten, über den sich jene kopfschüttelnd entfernt hätten. Ich würde mich nicht schämen, auf dem Weg solcher Kleinarbeit Auf- klärung in die breiten Schichten zu tragen. Tatsächlich aber verlief die Sache so, daß ich den Wachleuten, die mich nach dem Hergang des Vorfalls fragten, den Verzicht auf eine wei- tere Strafverfolgung der jungen, zum Überfall auf mich ver- einten Leute aussprach, da der Fall für mich mit der Ohrfeige, die ich einem der Kraus-Freunde appliziert hatte, ritterlich erledigt sei. Soweit hierin in nuce ein ›Vortrag über Karl Kraus‹ zu erblicken ist, will ich mich gern dazu bekennen.«36  – Klarstellung: »Eine Ohrfeige darf nichts als das klatschende Endglied einer Kette unausge- sprochener, schlüssiger Argumente sein. Wenn sie nicht wie ein Bonmot zündet, gehört sie vors Bezirksgericht.«37 Einen »erfreulich unsentimentalen Blick auf die Lage im Jahre 1932« eröffnet Kuh auch seinen zahlreichen Zuhörern im Hamburger Kleinen Schauspielhaus. »Am Ende empfahl sich der Witz, um die traurige Groteske unserer Wirklichkeit Prag, Produktenbörse, 27.11.1932, 20 Uhr: Prozeß Caro – Petschek Mährisch-Ostrau / Moravská Ostrava, Deutsches Theater, 4.12.1932, 20 Uhr: »Caro und Petschek« von William Shakespeare, in freier Rede übertragen von Anton Kuh Hamburg, Kleines Schauspielhaus, 6.12.1932, 20.15 Uhr: Caro und Petschek von William Shakespeare in freier Rede übertragen
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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