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Anton Kuh - Biographie
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372 Zwei Stunden improvisiert Kuh dann im Konzerthaus über das alte Österreich, jenes »Paneuropa im kleinen«, die Franz-Joseph-Renais- sance, die Schwächen der Demokratie, die franziszeisch-josephinische »Nobelbureaukratie«, die das genaue Gegenteil der aktuellen »Pöbel- diktatur« gewesen sei, über die »Zeit der Freigelassenen, nicht der Freien, die jetzt angebrochen« sei und die die »Sehnsucht nach jener Zeit begreiflich erscheinen [lasse], der Franz Josef sein Symbol aufgedrückt hat«.5 Und zwei Stunden hindurch schlagen Braunhemden im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal Radau, pöbeln das Pu- blikum an, krakeelen  – »weil man es dem ›Juden‹ schon zeigen wollte. Und dem ›Intelligenzler‹«.6 Kuh bricht mit dem Fazit ab: »Flüchtet nicht in die ›besonnte‹ Vergangenheit, um euch daraus eine schöne Zukunft zu erträumen  – denn die Zukunft wird nicht schön sein, sondern steht mit blutroten Zeichen am Hori- zont!«7 Das »launige« Fazit des »Kikeriki!«: »›Hörst, Ferdl, warst Du auch beim Vortrag des Asphaltliteraten Anton Kuh?‹  – ›Aber, Schurl, was a  Kuh erzählt, kann doch höchstens »rote Ochsen« int’ressier’n, aber mi net.‹«8 Darüber, wie die kurz vor der endgültigen Machtübernahme in Deutschland stehenden Nationalsozialisten mit »Kulturbolschewiken« seiner Couleur verfahren würden, gibt Kuh sich keinen Illusionen hin. In seinem letzten Beitrag zur »Vossischen Zeitung« vom 29. Januar 1933  – am 30. Januar ernennt der greise Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler  – über Stendhal und dessen Zensoren bringt er unmiß- verständlich zum Ausdruck, daß die »in Freiheit losgelassenen behörd- lichen Domestiken« des NS-Staats mit »Intelligenzlern« wie ihm, an- ders als die altösterreichische Bürokratie mit Stendhal, kein Federlesens machen würden.9 Ende Feber  – nach dem Reichstagsbrand in der Nacht des 27. Feber, der den Übergang von willkürlichen Schikanen zum Staatsterrorismus in Deutschland markiert  –, Anfang März 1933 sieht man in Wien jeden Tag neue  – bekannte  – Gesichter auftauchen, jeden Tag werden neue Namen von Flüchtenden kolportiert. Und auch jene sind in den Wiener Kaffeehäusern noch immer zu sehen, die kurz nach dem 30. Januar gekommen waren und erklärt hatten, demnächst wieder nach Deutsch- land zurückkehren zu wollen. Die »Wiener Allgemeine Zeitung« be- richtet am 14. März unter dem Titel »Die Flucht des geistigen Deutsch- land nach Wien«, daß man Anton Kuh »noch immer in irgend einem Schanklokal der Inneren Stadt bei einem Schnitt Pilsner sitzend« an- treffen könne, ebenso Leo Lania und Rudolf Olden, auch Theodor Wien, Konzerthaus, Mittlerer Saal, 9.2.1933, 19.30 Uhr: Schützet Franz Joseph!
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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