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Anton Kuh - Biographie
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373 Tagger, der zur Premiere seiner »Marquise von O« gekommen war, Max Reinhardt, Leopold Schwarzschild, Bert Brecht, Stefan Ehren- zweig, Alfred Polgar werde heute oder morgen eintreffen.10 Postwendend höhnt tags darauf die nationalsozialistische »Dötz« über die »Kohorten«, die von den »Wiener Judenblättern als ›das geistige Deutschland‹ bezeichnet werden« und die nun nach Österreich strö- men, wo sie ja herstammen, »denn in den letzten fünfzig Jahren haben die Wiener Juden an Virulenz die Frankfurter, Mannheimer usw. bei weitem übertroffen, da sie ja immer frische Blutzufuhr aus Galizien, Rußland, Rumänien und Tschechien erhielten«, und empfiehlt statt Wien Madagaskar, diese »paradiesische Insel, welche reichlich Raum für noch 50 bis 60 Millionen Menschen hat und nicht nur das ›geistige‹, sondern auch das wuchernde, handelnde, spielende Deutschland vom Schlage Wiener Judenblätter aufnehmen« könne.11 In der Nummer vom 15. März geht »Mungo«, bürgerlich Valentin Schuster, ins Detail, be- richtet von der »hellgackernden Aufregung«, die im »Herrenhof«, im »Central« und im »Rebhuhn« herrsche. »Jeder Schnellzug aus dem Reiche speit kraushaarige Kulturverfechter auf den Perron, die sich dann atemlos in eines der drei genannten Kapua der Geister flüchten, um mit irrlichternden Augen von abgehackten Händen zu erzählen, von abge- schnittenen Ohren, die von S. A.-Leuten auf Schnüre gefädelt um den Hals getragen werden  … die kernweichen Eier im Glas werden vor Schreck starr und hart.« Um dann über einzelne der »Konjunktur- ritter«, die sechs, acht Jahre zuvor Wien des miserablen Schillings wegen verlassen hatten, herzuziehen, darunter einen, der schon vor seinem Weggang »ständig im Herrenhof« wohnte, und das unangemeldet: »Hinter einem giftgrünen Aperitifglas […] ein Monokel. Verfilzte Haare flattern wirr um ein Medusenhaupt. Teint sehr unrein. Gesichtshaut verknittert wie weggeworfenes Zeitungspapier, das aufgelesen und über ein Knie geplättet wurde. Weiße Gamaschen. Weiße Krawatte. Beides wandert vierteljährlich in die Putzerei. (Daher weiß ich, daß beide Kleidungsstücke weiß sind.) Anton Kuh. […] Auch Kuh konnte dem Zug ins Reich nicht widerstehen. Er ließ sich eines Tages die Absätze richten und verschwand. Wenn er heute hier in Wien ist, so kommt dies daher, daß er nach seinem letzten Vortrag erst gar nicht wieder in seine ›Wahlheimat‹ zurückkehrte. Er hat sich am raschesten bei uns einge- bürgert.«12 Mungo stöhnt auf unter der »Heimsuchung« Wiens durch die Heimkehrer, die er mit einer der sieben biblischen Plagen vergleicht. An Häme und Drastik der Wortwahl nur noch übertroffen von der zionistischen »Neuen Welt«, die da geifert: Wer denn damals schnöde höherer Honorare für »kulturelle und künstlerische Leistungen« wegen
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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