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Anton Kuh - Biographie
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385 hatte sich schon der Streit im Jahr zuvor entzündet  –, kommt Kuh darauf zu sprechen, daß erst Unterschätzung, dann Überschätzung die heutigen Verhältnisse möglich gemacht habe, und endet »bei einer Aus- deutung der Symbolik, daß Nietzsches Schwester den Spazierstock des Philosophen dem Führer Deutschlands als Angebinde überreichte«.52 Tags darauf ist er im Großen Saal des Deutschen Vereinshauses in Ol- mütz zu Gast. Kuh engagiert sich mehr, als seiner labilen Gesundheit zuträg- lich ist, die ihn zu einer längeren Pause zwingt. Nach einem dreiwöchigen Sanatoriumsaufenthalt im mährischen Kurort Grä fenberg / Lázne˘ Jeseník im Juli 1934 weit davon entfernt, wiederhergestellt zu sein, und noch immer nicht bei Stimme, tritt er am 10. August im Karlsbader Kurhaussaal auf, wo er unter dem Titel »Das konfiszierte Gehirn« nach »einigen wohl- gezielten Durchziehern gegen die Ideologien eines großen Nachbarreiches« schnell vom Hirn zum Kehlkopf und von seinem laryngologischen Handicap, das ihn schon im Mai in Brünn geplagt hat, auf die »Technik des bekannten Demosthenes nordischer Ausgabe«, den er  – immer wieder von Beifallsstürmen unterbrochen  – »ätzenden Witzes voll, mit Geist und einem Schwung, der von innen heraus mächtig ins Äußere wird«53, parodiert. Dann kramt er aus seiner akustischen Erinnerung einige der bekannten Red- ner aus dem alten österreichischen Reichstag hervor, die er alle auf die Bühne stellt  – »Und damit klingt die Saite seines alten Österreichertums an. Da wird er warm und wärmer, er geißelt nicht mehr sondern streichelt fast liebevoll alle Schwächen die- ser Vergangenheit und berauscht sich an der entschwundenen Buntheit dieses Erscheinungskomplexes«54  –, bevor er im zweiten Teil des Abends einige typisch altösterreichische Figuren aus seinem »Unsterblichen Österreicher« lebendig werden läßt. Ein Ausriß aus der »Deutschen Tages-Zeitung (Karlsbader Bade- blatt)« mit der Ankündigung des Vortrags findet sich faksimiliert in einer sudetendeutschen Kampfschrift. Der Ausriß: »Anton Kuh spricht heute in Karlsbad. Auf dem Höhepunkt seiner Saison erlebt Karlsbad noch die sensationelle Begegnung mit einem Original: Es ist gelungen, Anton Kuh, den berühmten, in den deutschen Städten der Tschecho- slowakei längst gefeierten Improvisations-Redner, der sich derzeit zum Kurgebrauch in Karlsbad aufhält, zu einem einmaligen Vortragsabend zu gewinnen. Dieser heitere Vortrag findet heute ¾ 9 Uhr abends, unter dem Titel ›Das konfiszierte Gehirn‹ im Kurhaussaale statt. Fritz Grün- baum hat dieses Ereignis in der vorgestrigen Vorstellung der ›Lustigen Olmütz / Olomouc, Deutsches Vereinshaus, Großer Saal, 17.5.1934, 20.30 Uhr: Heiter- parodistischer Abend Karlsbad / Karlovy Vary, Kurhaussaal, 10.8.1934, 20.45 Uhr: Das konfiszierte Gehirn oder Tiergarten 1934
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Anton Kuh
Untertitel
Biographie
Autor
Walter Schübler
Verlag
Wallstein Verlag
Ort
Göttingen
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Abmessungen
13.8 x 22.2 cm
Seiten
576
Kategorie
Biographien
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