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George Graves als Großvater Gianninos, Françoise Rosay als alte Wahr-
sagerin, Alexandre Rignault als »Schwarzer Teufel«, Tela Tchaï als
vampige Kellnerin, Oskar Asche als Gendarmerie-Hauptmann – und
in der Hauptrolle Hans Fehér, der Sohn Magda Sonjas und Friedrich
Fehérs, als Giannino.
Der Plot: Eine Schaustellergruppe – Großvater, Mutter, Sohn – mit
einem Walzenklavier verschlägt es in einem abgelegenen Dorf in ein
Wirtshaus, das Schlupfloch einer Räuberbande ist. Die Ganoven, getarnt
als ehrsames Orchester, sind hinter dem Strumpf einer Wahrsagerin her,
in dem diese ihr Geld hortet. Gerade als einer der Räuber, der »Mann
mit dem Strohhut«, diesen Strumpf entwendet, bricht ein Brand aus. In
der Verwirrung versteckt er ihn in Gianninos Klavier. Die Banditen
jagen hinter dem Jungen her, der unwissentlich in den Besitz des ge-
suchten Sparstrumpfs geraten ist, auch die Polizei ist hinter ihm als
vermeintlichem Komplizen her.
Mit pittoresken Szenerien, häufig wechselnden Schauplätzen, schnel-
lem Schnitt, der auf ein munteres Walzertempo unvermittelt eine be-
häbige Chaconne folgen läßt, auf eine Totale eine Nah- oder Halbnah-
aufnahme, gewinnt der Handlungsablauf, der sich auf die wunderlichen
Abenteuer konzentriert, die der Junge zu bestehen hat, immer mehr an
Dynamik, bis die wilde Jagd, in der schlieĂźlich nicht nur der entwendete
Geldsack sichergestellt wird, sondern auch die Räuber dingfest gemacht
werden, in einem märchenhaften Happy-End zum Stillstand kommt.
Überschäumend, sprühend vor Charme und Humor, Lebhaftigkeit
und Munterkeit – zwischen furioser Zigeunermusik und getragener
romantischer Oper – bringt die Szenenfolge wenn schon nicht die
Verhältnisse, so doch die Darsteller und das Publikum zum Tanzen.
Surreal der Auftakt mit den maskenhaften Orchestermusikern, alle
in Schwarz, alle mit dem nämlichen bleichen, ausdruckslosen Gesicht,
mit steifgliedrigen, marionettenhaften Bewegungen, ein Orchester trau-
riger Clowns, alle mit der unbewegten Miene eines Buster Keaton;
surreal eine Sarabande von Walzenklavieren auf Schlitten, verschneite
Berghänge hinabgleitende Klaviere, das Klavier Gianninos, das, als es in
einem Schneeloch versinkt, noch einmal einige gedämpfte Noten des
Leitmotivs erklingen läßt, das es nach dem Auftakt vom Orchester
übernommen hat, während dieses in der Abblende verschwunden ist.
Surrealistisch das Verhör des mürrischen Polizeikommissars (Henri
Valbel), das nahtlos aufgeht ins Gekrächz einiger Papageien.
Vordergründig ergeben Fabel, Figuren und Schauplätze die Versatz-
stücke eines Märchens: Archetypisch Gut gegen Böse, Giannino, die
verfolgte Unschuld, über die die Vorsehung behütend ihre Hand hält,
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Buch Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Anton Kuh
- Untertitel
- Biographie
- Autor
- Walter SchĂĽbler
- Verlag
- Wallstein Verlag
- Ort
- Göttingen
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Abmessungen
- 13.8 x 22.2 cm
- Seiten
- 576
- Kategorie
- Biographien