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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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Die Begründung für eine Ehrung liegt vor al- lem in den medizinischen Leistungen. Diese wis- senschaftshistorischen Zusammenhänge bilden die Grundlage für das Verständnis der bildhaften Hinweise in der Gestaltung des Denkmals. Die zeitgenössische Porträtkultur bedingt, welche künstlerischen Formen hierfür möglich waren. Schließlich geht die Untersuchung der idealen Rezeption, also der von der stiftenden Instituti- on intendierten Aussagefunktion des Denkmals, im Zusammenhang mit seinem Aufstellungsort nach. Dieser Punkt basiert auf der Überzeugung, dass die Funktion von Denkmälern eine zweifa- che ist. Nicht nur sichert ein Denkmal dem Dar- gestellten memoria, sondern die Tugenden und Leistungen werden durch das Denkmal auf die stiftende Institution projiziert. Demzufolge, so die These dieses Artikels, werden je nach Auf- traggeber und Institution die jeweilig passends- ten Tugenden oder Merkmale in der Denkmal- gestaltung wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das Billroth-Denkmal im Ensemble der Pro- fessorendenkmäler im Arkadenhof der Universi- tät zielte von Beginn an auf ein anderes Publi- kum ab als jenes vor dem Spital Rudolfinerhaus. Wenn auch die Statue im Hof des Allgemeinen Krankenhauses in einem ähnlichen institutionel- len Kontext, nämlich vor einem Krankenhaus, errichtet wurde, lässt der Aufstellungszeitpunkt im Februar 1944 unter der Naziherrschaft erah- nen, dass hier nicht allein Billroths medizinische Leistungen im Vordergrund standen. Anhand dieser drei Denkmäler werde ich aufzeigen, zu welch unterschiedlichen künstlerischen Ergeb- nissen die Ehrungen von Medizinern kommen können und inwieweit medizinhistorische und politische Einflüsse hierbei nachweisbar sind. das wirken theodor billroths Theodor Billroth (* 26. April 1829–7. Febru- ar 1894) gilt als Europas führender Chirurg des späten 19. Jahrhunderts und als Protagonist der fortschreitenden Verbesserung der wissen- schaftsbasierten Medizin. Nach seinem Studium in Greifswald, Göttingen und Berlin, wo er von seinen Mentoren nicht nur in Medizin, sondern auch in einer wissenschaftlichen Methodik un- terrichtet wurde, arbeitete er als Assistenzarzt an der Berliner Charité unter seinem Lehrer Bern- hard von Langenbeck. Im Januar 1860 wurde er als Direktor der Chirurgischen Klinik an die Universität Zürich berufen. Im Jahr 1867 folgte Billroth schließlich dem Ruf an die Universität Wien auf die 2. Chirurgische Lehrkanzel.6 Billroths Arbeit zeichnet sich insbesonde- re dadurch aus, dass er systematisch die chi- rurgische Praxis und Nachsorge in Zusam- menhang mit parallelen wissenschaftsbasierten Forschungen sah. So begann er in Zürich mit der Aufzeichnung von Patientendaten, Krank- heits- und Heilungsverläufen. Die wissenschaft- liche Analyse dieser Aufzeichnungen diente ihm zur Überprüfung und stetigen Verbesserung sei- ner Therapiemethoden. Mit der empirischen Ausrichtung der medizinischen Praxis reihte sich Billroth nahtlos in die Tradition der Ersten und Zweiten Wiener Schule der Medizin ein, die zu- erst unter Gerard van Swieten (1700–1772) und Andreas Josef von Stifft (1760–1836) und spä- ter unter Carl von Rokitansky (1804–1878) und Joseph Skoda (1805–1881) die Grundlagen für die evidenzbasierte, moderne Medizin legten.7 julia rüdiger106 6 W. Genschorek, Wegbereiter der Chirurgie. Johann Friedrich Dieffenbach/Theodor Billroth, Leipzig 1982, S. 117– 122. 7 E. Kandel, Das Zeitalter der Erkenntnis. Die Erforschung des Unbewussten in Kunst, Geist und Gehirn von der Wiener Moderne bis heute, München 2012, S. 44–46; Genschorek, Wegbereiter (zit. Anm. 8), S. 152. Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
Geschichte Chroniken
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