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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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zum Leiter der 1. Chirurgischen Klinik ernannt worden.37 Durch seine Anwartschaft und spä- tere Mitgliedschaft in der NSDAP war er in zahlreichen maßgeblichen Universitätsgremi- en vertreten.38 Kurz vor Kriegsende schloss sich Schönbauer nach eigenen Angaben einer Wider- standgruppe im Allgemeinen Krankenhaus an und wurde daraufhin, trotz seiner Beteiligung an medizinischen NS-Verbrechen, zum Direk- tor des Allgemeinen Krankenhauses gewählt und hielt diese Stelle bis 1960.39 In seiner Funktion als Direktor gab Schönbauer den Anstoß, dass Dro- bil, der seine Künstlerkarriere nach 1945 eben- falls bruchlos fortsetzen konnte, das Standbild in Marmor vollendete, und dieses am 120. Ge- burtstag Billroths, dem 26. April 1949 an der- selben Stelle auf der Achse im großen Hof des ehemaligen Allgemeinen Krankenhauses (heute Hof 1 des Universitätscampus) errichtet wurde.40 Die Statue zeigt den Arzt auf einem dreistu- figen Sockel aufrecht stehend. Während sich sein Körper frontal zur Achse ausrichtet, blickt Bill- roth mit einer Wendung des Kopfes aufmerksam nach links. Seine Hände treffen sich auf der Hö- he seiner rechten Hüfte und die Finger sind so zu- sammengefügt, als würde sich die Figur gerade die Hände waschen oder desinfizieren. Dies offenbar mit so viel Gründlichkeit, dass das Muskelspiel der Unterarme unter den hochgekrempelten Ärmeln seines Chirurgenkittels deutlich zu erkennen ist. Im Gegensatz zu dem idealisierenden Werk Zumbuschs, das den Medizinprofessor in einer Synthese seiner positiven Eigenschaften zeig- te, wirkt diese Statue wie ein dreidimensionaler Schnappschuss, der den tatkräftigen Chirurgen genau in dem Moment einfängt, in dem er sich auf dem Weg zum Operationssaal befindet. Die- ser Charakter des schnell eingefangenen Bildes wird durch die raue Behandlung des Marmors, an dessen Oberfläche sich die Spuren des Mei- ßels noch deutlich abzeichnen, betont. Dennoch ist auch dieses Werk nicht frei von Idealisierung. So wirkt Billroths Körper deutlich schlanker und agiler als in Zumbuschs Darstellung. Durch die kompositorische Gegenüberstellung der Hän- julia rüdiger114 37 Burgstaller/Posch, Zeitgenössische Kunst und Geschichte (zit. Anm. 33), S. 750. 38 I. Arias, Felix Mandl. Chirurg im Wiener Gemeinderat/Leopold Schönbauer. Chirurg und Abgeordneter zum Na- tionalrat, in: Universität – Politik – Gesellschaft (hrsg. von M. Ash/J. Ehmer), Göttingen 2015, S. 324–325. 39 M. Hubensdorf, Medizinische Fakultät 1938–1945, in: Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938 bis 1945 (hrsg. von G. Heiss et al.), Wien 1989, S. 250; Burgstaller/Posch, Zeitgenössische Kunst und Geschichte (zit. Anm. 33), S. 750, I. Arias, Die Medizinische Fakultät von 1945 bis 1955: Provinzialisierung oder Anschluss an die westliche Wissenschaft?, in: Zukunft mit Altlasten. Die Universität Wien 1945 bis 1955 (hrsg. von M. Grandner et al.), Innsbruck/Wien u .a. 2005, S. 76–77. 40 Grois, Das Allgemeine Krankenhaus (zit. Anm. 33), S. 204; Burgstaller/Posch, Zeitgenössische Kunst und Ge- schichte (zit. Anm. 33), S. 749. Abb. 7: Michael Drobil, Denkmalstatue für Theodor Bill- roth, 1944/49, Hof 1 des ehemaligen Allgemeinen Kranken- hauses, heute Campus der Universität Wien. Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
Geschichte Chroniken
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