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heure Arbeit zu leisten, was vor allem mit dem
riesigen Personalstand der Universität zusam-
menhängt“, formulierte er im April 1938 in ei-
nem Schreiben an seinen Grazer Rektorenkolle-
gen.9 Auch noch Jahre danach, als er 1943 über
seine Amtszeit Rechenschaft ablegte, erwähnte
er die beträchtlichen Schwierigkeiten, welche bei
der Umstellung unserer Universität auf die neuen
Verhältnisse zu bewältigen waren.10
Diese Zitate stehen auch in Bezug zu den
Vorgängen im Zusammenhang mit der Ent-
fernung von Denkmälern aus dem Arkaden-
hof. Der von Knoll konstatierte „Wirbel“ in der
Universität hat sich teilweise auch in der Ak-
tenführung des Rektorats niedergeschlagen. Im
konkreten Fall hatte dies zur Folge, dass nicht al-
le Vorgänge zur Entfernung der Denkmäler voll-
ständig dokumentiert sind. Der zweite Aspekt,
die Schwierigkeiten aufgrund hoher Arbeitsbe-
lastung, wird von Knoll auch im eingangs zitier-
ten Bericht an das Ministerium besonders her-
vorgehoben. Dieser Bericht ist eine wesentliche
Quelle für die hier geschilderten Ereignisse. Er
war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und
sein Verfasser war bemüht, sich in der Frage der
Denkmäler von Juden und „jüdischen Mischlin-
gen“ gegen den offensichtlich befürchteten Vor-
wurf zu wappnen, er könnte dabei säumig oder
nachlässig gewesen sein. Knolls Rechtfertigung
diente die anfangs zitierte martialische Diktion,
welche Tatkraft suggerieren sollte und die Be-
tonung der äusserst starken Beanspruchung der
Dekanate durch die verschiedensten dringenden
Arbeiten.11 Knoll fürchtete, wie er selbst einlei-
tend formulierte, dass über die Entfernung der
Denkmäler im Ministerium unrichtige Vorstel-
lungen12 entstehen könnten.
Laut diesem Bericht, der am 7. November
1938 verfasst wurde, ist die Initiative zur Ent- fernung der Denkmäler vom Nationalsozialisti-
schen Studentenbund an der Universität Wien
ausgegangen. Zu einem nicht näher bestimm-
ten Zeitpunkt – Knoll schreibt: schon vor länge-
rer Zeit – wäre der Studentenführer an der Uni-
versität Wien, Robert Müller, bei ihm vorstellig
geworden und hätte das Ersuchen vorgebracht,
so bald wie möglich die Denkmäler jüdischer Pro-
fessoren in den Arkadengängen entfernen zu las-
sen. Knoll erklärte dazu, dass er selbst schon die-
se Absicht gehabt hätte, dass jedoch dringendere
Angelegenheiten Vorrang haben müssten. Auf
das Insistieren des Studentenführers antworte-
te Knoll, dass vor irgendwelchen Maßnahmen
die einwandfreie Feststellung, wer von den betref-
fenden Professoren jüdischer Abstammung gewesen
ist, erforderlich wäre, was vielfach mit Schwierig-
keiten verbunden sei. Er schlug daher vor, die nö-
tigen verlässlichen Daten mit Hilfe des Sippenam-
tes [Gau-Amt für Sippenforschung der NSDAP]
einzuholen. Die Vorarbeiten dazu wären von den
Dekanaten vorzunehmen. Die Vorgangsweise
bei den Denkmälern wäre demnach der „Säu-
berung“ des Lehrkörpers recht ähnlich gewe-
sen, und auch die zuvor praktizierte Regelung
bei der Aufstellung von Denkmälern mag hier
Berücksichtigung gefunden haben, nur dass die
Fakultäten in diesem Fall nicht die Würdigkeit,
sondern die Unwürdigkeit eines Denkmals fest-
zustellen hätten.
Tatsächlich hat der Rektor am 5. September
1938 ein Rundschreiben an die fünf Dekane ver-
schickt, in dem er darum ersuchte, Denkmäler
jener Professoren im Arkadenhof, aber auch in
anderen Universitätsräumlichkeiten, namhaft zu
machen, die Juden oder jüdische Mischlinge wa-
ren.13 Aus dem Bericht vom 7. November wird
klar, dass dies erst nach dem Gespräch mit dem
Studentenführer geschehen sein kann. Die ers-
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die „ausmerzung von denkmälern“ im arkadenhof
9 Zitiert nach Müller, Dynamische Adaptierung (zit. Anm. 7), S. 599.
10 Feierliche Rektorsinauguration 1943 (wie Anm. 4), S. 14.
11 UAW (zit. Anm. 1).
12 UAW (zit. Anm. 1).
13 UAW, Senat G.Z. 1250 aus 1937/38, ONr. 1.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Titel
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Herausgeber
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Abmessungen
- 18.5 x 26.0 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Kategorien
- Geschichte Chroniken