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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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ten Rückmeldungen trafen schon nach wenigen Tagen von den beiden theologischen Fakultäten ein: Es waren „Fehlmeldungen“ – keines „ihrer“ Denkmäler wäre davon betroffen. Erst mehr als ein Monat später, am 17. Oktober 1938, antwor- tete der Dekan der Philosophischen Fakultät, Viktor Christian, und berichtete nach eingehol- ten Informationen, dass folgende Denkmäler im Arkadenhof und in Institutsräumlichkeiten sei- ner Fakultät von Juden oder jüdischen Mischlin- gen vorhanden wären: Im Arkadenhof die Che- miker Adolf Lieben und Guido Goldschmiedt, der Romanist Adolf Mussafia, der Botaniker Ju- lius Wiesner und der Musikwissenschaftler Edu- ard Hanslick; in Institutsräumlichkeiten der Geologe Eduard Suess und der Pharmazeut Josef Herzig.14 Von den beiden restlichen Fakultäten, der Medizinischen und der Rechtswissenschaftli- chen, gab es vorerst keine Rückmeldungen. Auch im Aktenbestand der Philosophischen Fakultät haben diese Vorgänge ihren schriftli- chen Niederschlag gefunden. Es ist daraus je- doch nicht ersichtlich, auf welche Weise die ge- wünschten Informationen beschafft worden waren.15 Eine Befassung des Sippenamtes ist nicht belegt. Dafür, dass es trotz hoher Arbeits- belastung schon so bald eine detaillierte Rück- meldung des philosophischen Dekans gegeben hat, kann es m. E. nur eine Erklärung geben: Nicht penible Recherchen zur „arischen“ oder „nicht-arischen“ Abstammung der durch Denk- mäler geehrten Professoren, sondern das in der Professoren- und Studentenschaft kommuni- zierte Wissen über tatsächliche oder vermute- te jüdische Abstammung lebender oder verstor- bener Kollegen bildete die Grundlage für die Erstellung der Namensliste. Dieses tatsächliche oder vermutete Wissen entstammte den antijü- dischen und antiliberalen Traditionen, welche an der Universität Wien seit dem 19. Jahrhun- dert deutlich feststellbar sind und sich spätes- tens in den Anfangsjahren der Ersten Republik radikalisierten und zu einer Bewegung des uni- versitären Antisemitismus formierten.16 In kaum einem anderen Bereich des gesellschaftlichen Le- bens hatten antisemitische und deutschnationa- le Tendenzen schon viele Jahre vor 1938 so starke Resonanz und – vor allem in der Studenten- schaft – so radikale Anhänger wie auf akademi- schem Boden.17 Informelle antisemitische Netz- werke Wiener Professoren und Dozenten hatten zum Ziel, akademische Karrieren von Wissen- schaftlern, denen jüdische Abstammung und/ oder Sympathien für den Sozialismus unter- stellt wurden, zu verhindern.18 Lobbys dieser Art konnten schon lange vor dem „Anschluss“ rassis- tische und konservative Kriterien bei Lehrstuhl- besetzungen durchsetzen.19 Ihnen war es ein An- liegen, den postulierten „deutschen Charakter“ der Wiener Universität durchzusetzen. Schon thomas maisel122 14 UAW (zit. Anm. 13), ONr. 7. 15 UAW, Dekanat der phil. Fakultät, D.-Zl. 1278 aus 1937/38. 16 Müller, Dynamische Adaptierung (zit. Anm. 7), S. 605. 17 Vgl. dazu zuletzt: Der lange Schatten des Antisemitismus. Kritische Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Universität Wien im 19. und 20. Jahrhundert (hrsg. von Oliver Rathkolb), Zeitgeschichte im Kontext, 8, Göttin- gen 2013. 18 Vgl. dazu T. Olechowski/T. Ehs/K. Staudigl-Ciechowicz, Die Wiener Rechts- und staatswissenschaftliche Fa- kultät 1918–1938 (Schriften des Archivs der Universität Wien 20), Göttingen 2014, S. 67–72. Demnächst auch K. Taschwer, Geheimsache Bärenhöhle. Wie ein antisemitisches Professorenkartell der Universität Wien nach 1918 jüdische und linke Forscherinnen und Forscher vertrieb, in: Alma mater antisemitica. Akademisches Milieu, Ju- den und Antisemitismus an den Universitäten Europas zwischen 1918 und 1939, Wien 2015. Der Beitrag ist in einer Langversion online verfügbar: http://www.academia.edu/4258095/Geheimsache_B%C3%A4renh%C3%B6hl e._Wie_ein_antisemitisches_Professorenkartell_der_Universit%C3%A4t_Wien_nach_1918_j%C3%BCdische_und_ linke_Forscherinnen_und_Forscher_vertrieb._2013_, abgerufen am 1. Dezember 2014). 19 O. Rathkolb, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien zwischen Antisemitismus, Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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