Seite - 128 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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gründenden gedruckten Rechenschaftsbericht50
des Rektors Knoll, wird davon etwas erwähnt.
Das Hauptgebäude wurde im Krieg durch
Bombentreffer zum Teil schwer beschädigt; von
den Denkmälern – sowohl den entfernten als
auch den im Arkadenhof verbliebenen – sind
keine durch Kriegsereignisse verursachten Schä-
den überliefert. Im Rahmen der Wiederaufbau-
arbeiten nach Kriegsende wurde vom Akademi-
schen Senat der Universität Wien schon am 12.
Mai 1945 beschlossen, alle von den Nazis ent-
fernten Denkmäler wieder im Arkadenhof an ih-
rem angestammten Platz aufzubauen.51 Nur für
das am schwersten beschädigte Denkmal, jenes
von Guido Goldschmiedt, sind Restaurierungs-
arbeiten dokumentiert.52 Die Rückführung der
Denkmäler in den Arkadenhof konnte im Lau-
fe der Jahre 1945 und 1946 abgeschlossen wer-
den. Im 1947 erschienenen Rektorsbericht stell-
te Ludwig Adamovich fest, dass „die während
der nationalsozialistischen Herrschaft entfern-
ten Büsten ehemaliger Mitglieder des Lehrkör-
pers wieder auf ihren alten Plätzen aufgestellt“
waren.53
In der Geschichte der Universität Wien wäh-
rend der NS-Zeit bildet die „Arisierung“ der Ge-
lehrtenmemoria einen symbolischen Akt, der in
direkten Zusammenhang mit der Vertreibung
von Studierenden und Mitgliedern des Lehr- körpers gestellt werden kann, auch wenn er kei-
ne vergleichbaren Dimensionen menschlichen
Leids und der Vernichtung von Existenzen zur
Folge hatte. Die geschilderten Ereignisse wer-
fen ein Schlaglicht auf die Verhältnisse an der
Universität Wien im Jahr 1938, welche durch
die Rivalität zwischen einer radikal antisemi-
tischen NS-Studentenschaft auf der einen und
dem Rektor sowie Teilen der Professorenschaft
auf der anderen Seite gekennzeichnet waren.
Übereinstimmung herrschte im Ziel der „Säube-
rung“ der Universität von als jüdisch geltenden
und politisch missliebigen Personen. Aus offen-
sichtlicher Sorge um die Traditionen der Uni-
versität und um den Anschein geordneter Ver-
hältnisse aufrechtzuerhalten, missbilligte jedoch
der Rektor den Radau-Antisemitismus und die
willkürlich erscheinenden Gewaltaktionen der
NS-Studenten. Nicht die Zerstörung der Denk-
mäler, sondern deren sachgerechte Entfernung
nach eingehender Prüfung war seine Absicht
gewesen. Deren Restaurierung und Rückfüh-
rung nach Kriegsende wurde von der Universi-
tät im Rahmen von Wiederaufbauarbeiten und
der Beseitigung von Kriegsschäden im Hauptge-
bäude durchgeführt. Die Maßnahme diente der
raschen Wiederherstellung eines Status quo vor
dem „Anschluss“ und war von keinen feierlichen
Akten begleitet.
thomas
maisel128
49 UAW, Chronik zum Jahresbericht 1938/39, Senat G.Z. 4 aus 1939/40.
50 Rektorsinauguration 1943 (zit. Anm. 4).
51 UAW, Senat G.Z. 454 aus 1944/45.
52 UAW, Akademischer Senat, Sonderreihe, Senat S 222.2.
53 Bericht über den Studienbetrieb an der Wiener Universität vom Sommersemester 1945 bis zum Sommersemester
1947 (hrsg. von der Universität Wien), Wien 1947, S. 41.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Titel
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Herausgeber
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Abmessungen
- 18.5 x 26.0 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Kategorien
- Geschichte Chroniken