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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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mit Freuds intensivem Blick und seinem schie- fen Mund betrachtet hätten, wäre es wohl vielen schwer gefallen, Freud wiederzuerkennen. Gleich- wohl handelt es sich bei dem Porträt um die Kopie jener Büste, die Max Eitingon – ein vermögen- der Schüler Freuds – im Jahr 1920 von dem heu- te weitgehend unbekannten Bildhauer Paul Kö- nigsberger (* um 1890) anfertigen ließ und Freud zum 65. Geburtstag schenkte. Freud selbst schrieb Eitingon in einem Brief, wie er dem Bildhauer Modell saß und dass die Büste erstaunlich richtig sei und allen sehr gefalle.3 Zudem ist sich Freud auch bewusst, dass die Büste nicht für den Mo- ment, sondern für die Nachwelt geschaffen wurde. Freud ist unbekleidet dargestellt. Auf den ersten Blick scheint es, als verwende der Bild- hauer den klassischen Topos lediglich, um den Dargestellten zu idealisieren und ihn über die Zeit und deren Moden zu erheben. Im Fall von Sigmund Freud lassen sich Blöße und Nacktheit aber auch als Sinnbild für die von ihm entwi- ckelte Psychoanalyse deuten. Auch der schwer zu definierende Gesichtsausdruck gibt Raum für Spekulationen in diese Richtung. Leider ha- ben wir von dem Bildhauer Paul Königsberger fast keine anderen Werke, um seine künstlerische Handschrift genauer bestimmen zu können. Von Sigmund Freud gibt es vier weitere Porträtplastiken von dem kroatischen Bildhauer Oscar Nemon (1906–1985), der zunächst in Brüs- sel und ab 1938 in England Karriere als Porträtist machte (Abb. 5).4 Eigenen Angaben zufolge ver- martin engel132 3 U. May, Fundstücke zur Freud-Biographik in der Exilpresse, in: Luzifer Armor, Heft 38 (19. Jg. 2006): Blicke auf Freud, S. 144–147. – Über die Entstehung der Büste berichtet Freud auch in einem Brief vom 22. Juli 1920 an sei- ne Tochter Anna, in: S. Freud/A. Freud, Briefwechsel 1904–1938, hrsg. von I. Meyer-Palmedo, Frankfurt a. M. 2006, Anm. 746. 4 Zur Biografie Oscar Nemons und zur Entstehung der Büsten Sigmund Freuds siehe die Internetseiten des „Estate of Oscar Nemon“ (http://oscarnemon.org.uk, abgerufen am 10. 8. 2015). Abb. 5: Oscar Nemon bei der Arbeit, Porträtsitzung in Sigmund Freuds Sommersitz in der Khevenhüllerstraße in Pötzleins- dorf, 1931. Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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