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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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Die Mitglieder der Kunstkommission wer- den in diesem Akt nicht namentlich genannt. Vermutlich hatte Prof. Meister, der zugleich den Wiederaufbaufond verwaltete, den Vorsitz in der Kunstkommission inne und fühlte sich durch diese Entscheidung nicht übergangen. Jeden- falls gab es keinen Protest wegen der Entschei- dung für Drobil, der seit 1931 als Nachfolger sei- nes Lehrers Edmund von Hellmer an der Wiener Akademie der Künste lehrte. Man kannte Dro- bil, der bereits 1935 das Denkmal für den Meteo- rologen Josef Maria Pernter im Arkadenhof und 1944 das Denkmal für Theodor Billroth im Hof 1 des AKH geschaffen hatte.14 Drobil lieferte, an- knüpfend an seine Zeit bei der Wiener Secession, ein modern anmutendes Kunstwerk und bewäl- tigte die Schwierigkeit, dass es von Eduard von Hofmann offenbar nur ein akzeptables Porträtfo- to gibt, dadurch, dass er den Geehrten, ähnlich wie bei einer Medaille, als stark erhabenes Reli- ef darstellte. Unverkennbar handelt es sich um ein Denkmal mit posthumer Porträtdarstellung. Das führt wieder zurück zu der eingangs entwickelten Unterscheidung zwischen den Denkmälern, bei denen Porträtbüsten verwen- det wurden, die noch zu Lebzeiten der Geehr- ten entstanden sind, und den Denkmälern, de- ren Gestaltung komplett nach fotografischen Vor lagen erfolgte. Diese Unterscheidung ist des- halb so wichtig, weil sich daran die fundamen- tale Kritik an den Professorendenkmälern ent- zündet, auf die ich später näher eingehen werde. Bei den 24 Denkmälern, die wir gerade im Blick haben, werden bei mehr als der Hälfte Büs- ten eingesetzt, die nach dem lebenden Modell entstanden sind. Dazu gehören die Denkmäler für den Altphilologen Hans von Arnim (1948), den Chemiker Rudolf Wegscheider (1949) und den Biologen Hans Molisch (1950), die zu den ersten gehören, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Arkadenhof errichtet wurden (Abb. 9). Im Falle Hans von Arnims erklärte sich die Familie bereit, die Büste eines ungenannten Bild- hauers zur Verfügung zu stellen. Bereits im ers- ten Antragschreiben vom 14. August 1947 wurde auf die künstlerische Qualität dieser Büste hin- gewiesen, die sich bestens für die Aufstellung im Arkadenhof eigne. Auch von der Kunstkommis- sion wurde die für den privaten Bereich geschaf- fene Büste als denkmalfähig akzeptiert. martin engel138 14 Siehe dazu den Beitrag von J. Rüdiger in diesem Band, S. 103–118. Abb. 9: Franz Barwig, Denkmal für Hans von Arnim; Heinricht Zita, Denkmal für Rudolf Wegscheider; Franz Seifert, Denkmal für Hans Molisch, Arkadenhof der Universität Wien. Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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