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mit Prof. Adam und Hofrat Dr. Mühlberger ei-
nen Standort ausgesucht habe, und erklärte sich
bereit, die Bronzebüste samt Sockel für 145.000
Schilling (€ 10.000) bis Ende Oktober fertigzu-
stellen. Ein Modell wurde nicht gefordert, aber
vereinbart, dass der Bildhauer vorab eine Zeich-
nung liefere. Beratend wurde der Architekt Prof.
Wilfried Posch von der Kunstuniversität Linz
hinzugezogen, der in einer Besprechung am 5.
September 2001 darauf hinwies, „dass der Kreis
der in Frage kommenden Künstler, die eine für
den Arkadenhof der Univ. Wien passende Büs-
te anfertigen würden, ein sehr beschränkter ist.“
Zenzmaier, ein bekannter österreichischer
Bildhauer, hatte bereits einige Porträtplastiken
geschaffen, unter anderem für Stefan Zweig,
Clemens Holzmeister und Erwin Ringel.25 In ei-
nem Interview berichtete der damalige Senats-
vorsitzende Prof. Hoyer, dass bei der Denkma-
lenthüllung die Enttäuschung vieler Anwesender
zu spüren war.26 Offenbar wurden die Erwartun-
gen, die in dieses Denkmal gesetzt wurden, nicht
erfüllt. Wenn wir nun die drei Kriterien Wie-
dererkennbarkeit, Angemessenheit und künstle-
rischer Ausdruck auf dieses Denkmal anwenden,
dann überwiegt ganz eindeutig der künstlerische
Ausdruck. Im Grunde lieferte Zenzmaier nichts
anderes als eine sehr persönlich geprägte Inter-
pretation seines bruchstückhaften Wissens über
den Dargestellten. Dies wird an einer Anekdote
deutlich, die Prof. Hoyer mit launigen Worten
erzählte und die ich frei wiedergebe. Auf seine
Frage, warum Dantine so große Ohren bekom-
men habe, antwortete der Künstler, weil ihm im-
mer wieder gesagt wurde, dass Dantine ein be-
sonders guter Zuhörer war.
Ich will nicht verschweigen, dass mein erster
Eindruck von diesem Denkmal nicht zweifellos
gut war. Ich empfand es aufgrund der gerade-
zu respektlosen Gestaltung als nicht angemessen. Je länger aber die Auseinandersetzung mit die-
sem Denkmal dauert, umso größer wird meine
Zustimmung, auch wenn hinsichtlich der drei
genannten Kriterien der an die Entstehungszeit
gebundene künstlerische Ausdruck stark in den
Vordergrund gerückt ist. Die Porträtbüste wird
dadurch jedoch in weit größerem Maß als üblich
zu einem eigenständigen Kunstwerk und kann
damit den oft empfundenen Mangel an Authen-
tizität bei posthum entstandenen Porträtbüsten
überspielen.
Die offen oder versteckt vorgetragene Kri-
tik an den zuletzt aufgestellten Büsten und die
Zweifel an der Richtigkeit dieser Form der Wür-
digung wissenschaftlicher Leistungen war wohl
so groß, dass Rektor und Senat im Jahr 2009
den Entschluss gefasst haben, die traditionelle
Gelehrtenehrung mit Denkmälern im Arkaden-
hof zu beenden. Unter ganz anderen Vorzeichen,
nämlich im Hinblick auf die Gleichbehandlung
beider Geschlechter, knüpft die Universität Wien
jedoch wieder an diese alte Form der Gelehrten-
ehrung an, indem sie im Rahmen des 650-jähri-
gen Jubiläums die Entscheidung getroffen hat,
die Musealisierung des Arkadenhofes aufzuhe-
ben und einen Wettbewerb unter den österrei-
chischen BildhauerInnen auszuschreiben, um
endlich mit der seit Langem geforderten Ehrung
von Wissenschaftlerinnen zu beginnen.
Abbildungsnachweis: Abb. 1, 12: Wikipedia; Abb. 2, 6:
Sammlung Engel; Abb. 3, 13, 16: Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien, Foto: Franz Pfluegl; Abb. 3, 4, 8, 9, 10,
11, 12, 13, 16: Fotostudio F. Pflügl; Abb. 7: Institut für
Kunstgeschichte der Univ. Wien, R. Steyer/A. Plankenstei-
ner, 2014; Abb. 15: Institut für Kunstgeschichte der Univ.
Wien, R. Steyer/A. Plankensteiner, 2014; Abb. 17: Institut
für Kunstgeschichte der Univ. Wien, K. Pani, 2014; Abb.
5: Estate of Oscar Nemon; Abb. 8: Österreichische Na-
tionalbibliothek; Abb. 14: Österreichische Nationalbank.
147zeitgemäss
25 Josef Zenzmaier. Zum 70. Geburtstag, (Ausstellungskatalog hrsg. vom Salzburger Museum Carolino Augusteum),
Salzburg 2003.
26 Interview mit Prof. Jörg Hoyer am 2. Sept. 2014.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Titel
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Herausgeber
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Abmessungen
- 18.5 x 26.0 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Kategorien
- Geschichte Chroniken