Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Chroniken
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Seite - 147 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 147 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa

Bild der Seite - 147 -

Bild der Seite - 147 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa

Text der Seite - 147 -

mit Prof. Adam und Hofrat Dr. Mühlberger ei- nen Standort ausgesucht habe, und erklärte sich bereit, die Bronzebüste samt Sockel für 145.000 Schilling (€ 10.000) bis Ende Oktober fertigzu- stellen. Ein Modell wurde nicht gefordert, aber vereinbart, dass der Bildhauer vorab eine Zeich- nung liefere. Beratend wurde der Architekt Prof. Wilfried Posch von der Kunstuniversität Linz hinzugezogen, der in einer Besprechung am 5. September 2001 darauf hinwies, „dass der Kreis der in Frage kommenden Künstler, die eine für den Arkadenhof der Univ. Wien passende Büs- te anfertigen würden, ein sehr beschränkter ist.“ Zenzmaier, ein bekannter österreichischer Bildhauer, hatte bereits einige Porträtplastiken geschaffen, unter anderem für Stefan Zweig, Clemens Holzmeister und Erwin Ringel.25 In ei- nem Interview berichtete der damalige Senats- vorsitzende Prof. Hoyer, dass bei der Denkma- lenthüllung die Enttäuschung vieler Anwesender zu spüren war.26 Offenbar wurden die Erwartun- gen, die in dieses Denkmal gesetzt wurden, nicht erfüllt. Wenn wir nun die drei Kriterien Wie- dererkennbarkeit, Angemessenheit und künstle- rischer Ausdruck auf dieses Denkmal anwenden, dann überwiegt ganz eindeutig der künstlerische Ausdruck. Im Grunde lieferte Zenzmaier nichts anderes als eine sehr persönlich geprägte Inter- pretation seines bruchstückhaften Wissens über den Dargestellten. Dies wird an einer Anekdote deutlich, die Prof. Hoyer mit launigen Worten erzählte und die ich frei wiedergebe. Auf seine Frage, warum Dantine so große Ohren bekom- men habe, antwortete der Künstler, weil ihm im- mer wieder gesagt wurde, dass Dantine ein be- sonders guter Zuhörer war. Ich will nicht verschweigen, dass mein erster Eindruck von diesem Denkmal nicht zweifellos gut war. Ich empfand es aufgrund der gerade- zu respektlosen Gestaltung als nicht angemessen. Je länger aber die Auseinandersetzung mit die- sem Denkmal dauert, umso größer wird meine Zustimmung, auch wenn hinsichtlich der drei genannten Kriterien der an die Entstehungszeit gebundene künstlerische Ausdruck stark in den Vordergrund gerückt ist. Die Porträtbüste wird dadurch jedoch in weit größerem Maß als üblich zu einem eigenständigen Kunstwerk und kann damit den oft empfundenen Mangel an Authen- tizität bei posthum entstandenen Porträtbüsten überspielen. Die offen oder versteckt vorgetragene Kri- tik an den zuletzt aufgestellten Büsten und die Zweifel an der Richtigkeit dieser Form der Wür- digung wissenschaftlicher Leistungen war wohl so groß, dass Rektor und Senat im Jahr 2009 den Entschluss gefasst haben, die traditionelle Gelehrtenehrung mit Denkmälern im Arkaden- hof zu beenden. Unter ganz anderen Vorzeichen, nämlich im Hinblick auf die Gleichbehandlung beider Geschlechter, knüpft die Universität Wien jedoch wieder an diese alte Form der Gelehrten- ehrung an, indem sie im Rahmen des 650-jähri- gen Jubiläums die Entscheidung getroffen hat, die Musealisierung des Arkadenhofes aufzuhe- ben und einen Wettbewerb unter den österrei- chischen BildhauerInnen auszuschreiben, um endlich mit der seit Langem geforderten Ehrung von Wissenschaftlerinnen zu beginnen. Abbildungsnachweis: Abb. 1, 12: Wikipedia; Abb. 2, 6: Sammlung Engel; Abb. 3, 13, 16: Öffentlichkeitsarbeit Universität Wien, Foto: Franz Pfluegl; Abb. 3, 4, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 16: Fotostudio F. Pflügl; Abb. 7: Institut für Kunstgeschichte der Univ. Wien, R. Steyer/A. Plankenstei- ner, 2014; Abb. 15: Institut für Kunstgeschichte der Univ. Wien, R. Steyer/A. Plankensteiner, 2014; Abb. 17: Institut für Kunstgeschichte der Univ. Wien, K. Pani, 2014; Abb. 5: Estate of Oscar Nemon; Abb. 8: Österreichische Na- tionalbibliothek; Abb. 14: Österreichische Nationalbank. 147zeitgemäss 25 Josef Zenzmaier. Zum 70. Geburtstag, (Ausstellungskatalog hrsg. vom Salzburger Museum Carolino Augusteum), Salzburg 2003. 26 Interview mit Prof. Jörg Hoyer am 2. Sept. 2014.
zurück zum  Buch Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa"
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
Geschichte Chroniken
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa