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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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hinterließ.19 Spielt der erste Vers auf die Schlei- ergeschichte des griechischen Malers Timanthes an, so führt der zweite weiter aus, daß kein erin- nerndes Kunstwerk, keine Eloge jemals die wis- senschaftliche Größe und Bedeutung des hier Gefeierten angemessen umfassend zu würdigen vermöge.20 Und damit ist eben nicht der Römer Seneca, sondern dessen niederländischer Her- ausgeber Lipsius gemeint. Blickte dieser (und blickte sein Hund) in der Lebzeitausgabe noch recht untypisch nicht et- wa auf das Titelblatt, sondern nach links heraus und damit dem buchöffnenden Leser gewisser- maßen „ansprechend“ entgegen, dann änder- te sich mit der zweiten, posthum 1615 erschie- nenen Ausgabe so manches.21 (Abb. 9) Kaum prächtiger konnte dieses endliche, mit dem To- de „verdiente“ Denkmal ausfallen, das der Ver- leger Balthasar (I) Moretus (1574–1641) eigens im Vorwort textlich erläuterte. Nunmehr nach Zeichnung Peter Paul Rubens’ stach diesmal Cornelis Galle d. Ä. (1576–1650) dieses Zimm- erdenkmal raffinierter Assemblage aus Malerei und plastischem Trägerkonstrukt: Die persönli- che Devise nach Ennius rückte nach unten zum Bildsockel zwischen die Medaillons einer Virtus und einer Roma. An ihre Stelle trat die im Oul- tremannus-Vers zitierte Sonne ans Firmament; beide umklammern gewissermaßen das Person- endenkmal. Darunter das suggeriertermaßen ge- malte, nunmehr hundlose Bildnis im hochova- len Kontur der schlanken Zierleiste, das ganze prachtvoll eingefaßt von einem „geschnitzten“ Ehrenblattkranz, den seinerseits zwei Füllhör- ner flankieren; symbolisch für das vollendete Lebenswerk, für die eingefahrene Ernte quellen Abb. 9: Justus Lipsius, L. Annaei Senecae Philosophi ope- ra, 1615. The PorTable Scholar’S MonuMenT 245 19 „Lipsiadae velum est Timantis imago. Videri Sol quoque sub picea non nisi nube potest“. Timanthes hatte in sei- nem Gemälde der Opferung der Iphigenie in Aulis die Gesichtszüge der Beteiligten in steigerndem Ausdruck ihres Schmerzes dargestellt und schließlich dem Hauptbetroffenen, Agamemnon, mangels Möglichkeit zur weiteren phy- siognomischen Ausdrucksintensivierung das Antlitz mit einem Schleier verhüllt. 20 Aus der Angabe von Oultremannus als Urheber der Zeilen ist neben philologischer Akkuratesse vor allem Lipsius’ (Selbst-)Bescheinigung zu erlesen, durch einen seinerseits bestreputierten Gelehrten gewürdigt worden zu sein. – Von Lipsius existiert eine nur vage mit „17. Jh.“ datierte Alabasterbüste von unbekannter Hand im Justus Lipsius- college in Leuven: Voorbeldige busten. Het borstbeeld in de Nederlanden 1600–1800 (hrsg. von Valérie Herremans); Ausst.-Kat. Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten 12. 9.–14. 12. 2008, Köln 2008, Abb. S. 52 und Abb. 2 auf S. 56. 21 L. Annaei Senecae Philosophi opera, quae exstant omnia, a Iusto Lipsio emendata et scholiis illustrata. Editio secun- da, atque ab ultima Lipsi manu, Antwerpen 1615, Frontispiz und Titel. – J. de Landtsheer, Pius Lipsius or Lipsius Proteus?, in: Between Scylla and Charybdis. Learned Letter Writers navigating the Reefs of religious and political Controversy in early modern Europe (hrsg. von J. De Landtsheer und H. Nellen), Leiden u. a. O. 2011, S. 303– 349; zum 1605 durch Theodor Galle gestochenen Bildnis S. 303–304.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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