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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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zischen Kurfürsten schließlich im Gefolge von Richard Boyle (1694–1753), dem dritten Earl of Burlington und vierten Earl of Cork, nach Eng- land gelangt und sollte sich bei dessen Engage- ment zugunsten der Sammlung und Edition von Palladios Schriften und Zeichnungen als effizi- enter Mitarbeiter bewähren. Diese für England editio princeps verlangte geradezu nach einem Porträt Palladios, und da ein solches nicht als authentisch überliefertes zur Verfügung stand, wurde es kurzerhand phantasiert: Im Frontis- piz erscheint der Architekt bartlos und im Kos- tüm der Zeit um 1700, und zwar im leger getra- genen Hausmantel mit der auch nur im Studio üblichen Kopfbedeckung des lose zur Mütze ge- schlungenen Schals; in England nannte man die- se Tracht des informel oder indoor dress seiner- zeit en négligé. Nicht ein Mann der Gesellschaft, der öffentliche Repräsentant seiner selbst, ist hier imaginiert, sondern nachdrücklich der auf- geklärte, autonome, zuvörderst seiner Berufung lebende und agierende Künstler. Als wenig später Burlington Gartenskulpturen für seinen palladi- anisch entworfenen Landsitz Chiswick House beauftragte, folgte eine ganzfigurige Palladio- Statue schon diesem Porträttypus; gemeinsam mit ihrem Pendant, dem mit van Dycks (1599– 1641) Bildnis entlehnten Gesichtszügen vor- gestellten Inigo Jones (um 1572 oder 1573–1651 oder 1652), formuliert sie am Beginn des Außen- treppenaufgangs, sprechenderweise im Basisbe- reich der darüber aufsteigenden Villa, das archi- tektonisch-ästhetische Manifest des Bauherrn.31 Derselbe flämische Bildhauer Michael Rysbrack (zwischen [vor] 1684 und 1694–1770) schuf in Burlingtons Auftrag außerdem zwei Büsten die- ser Architekten, und daß sein eigenes Selbstbild- nis von ca. 1730 auffällig an die Palladio-Büste erinnert, belegt erneut jenen genialischen Cha- rakterzug, den der Burlington-Kreis der histo- rischen Persönlichkeit ihres italienischen Pat- rons zuwies.32 Das Frontispiz der Ausgabe von 1715 zeigt zwar Palladio ad vivum, doch der aus Steinen gefügte Clipeus erinnert, wiewohl ei- ner Mauerwand eingelassen, weniger an einen Fensterausschnitt als an den Rahmen eines Port- räts, zumal er sich unten auf einen Sockel stützt und dieser neben mancherlei Berufsutensilien – der Zirkel darf auch hier nicht fehlen – des Dargestellten vor allem dessen Namen in Versa- Abb. 12: Giacomo Leoni, L’architettura di A. Palladio, 1715, Frontispiz. bernd ernsting250 the Italian Original (Bd. 2, zugleich mit frz. Titel), 2 Bde., London 1715, hier: Bd. 1, o. S., Kupferstich von Bernard Picart (1673–1733) nach Zeichnung von Sebastiano Ricci (1659–1734). Die Erscheinungsdatierung im Titel auf 1715 ist zu bezweifeln, da einige der Stiche von 1716 (darunter das Frontispiz) bzw. 1717 datieren. – In Den Haag erschien 1726 dasselbe in frz. Sprache. 31 M. I. Webb, Michael Rysbrack. Sculptor, London 1954, Abb. 38 und 39, S. 89. 32 Zu den Architektenbüsten Webb 1954 (wie Anm. 31), S. 102 (Palladio), Abb. 36 und 37, S. 80. – Zum Selbstbildnis Herremans 2008 (wie Anm. 20), S. 181, Kat.-Nr. 106 (Eintrag V. Herremans), Abb. S. (180). Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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