Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Chroniken
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Seite - 254 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 254 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa

Bild der Seite - 254 -

Bild der Seite - 254 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa

Text der Seite - 254 -

or the London Art of Building seit seiner Londo- ner Erstausgabe von 1734 allein bis 1767 sieben Auflagen – denen allesamt so sehr Palladios Bild- nis wie der inhaltlich eingehende Bezug auf je- nen fehlt. Aufgeweckt durch die englischen Bemühun- gen um Palladios Andenken begannen auch ita- lienische Antiquare sich mit ihrem Landsmann zu befassen, wobei sie ihre eigene Akribie in der Quellenforschung betonten und damit implizit den Briten einen Mangel an solcher unterstellten. Was zunächst dazu führte, die von der Insel über- mittelten Bildvorstellungen zum angeblich wahr- haftigen Aussehen Palladios – tatsächlich wohl aus gutem Grunde – zurückzuweisen und nach Alternativen zu forschen. Wie bestellt, tauchte nun plötzlich ein heute in der Villa Valmerana nahe Vicenza bewahrtes Gemälde minderer Gü- te auf, wohl eine Kopie durch Francesco Boldrini (1762–1825), der das nicht überkommene Origi- nal (existierte ein solches überhaupt je) mit Pal- ladios Namen in Verbindung brachte und es des- sen befreundetem Zeitgenossen Giovanni Battista Maganza (1513–1586) zuwies: als glatzköpfiger und kurzbärtiger Alter so gar nicht der insularen Vor- spiegelung eines dynamisch-jugendlichen Künst- lers entsprechend, aber vielleicht schon hierdurch als „seriöser“ und innerhalb der Bildnisreihe an- derer Architekten seiner Zeit als adäquater emp- funden; und selbstverständlich durfte der Vigno- la-Zirkel auch hier nicht fehlen. In nahezu allen italienischen Palladio-Ausgaben des 18. Jahrhun- derts bis hin zur 1762 durch Tommaso Temanza (1705–1789) unter Beigabe zweier bislang unveröf- fentlichter Schriften vorgelegten Architektenbio- graphie figuriert nun geradezu kanonisch dieses Porträt. Und zwar nur noch zweimal als seitenver- kehrter Nachstich des Gemäldes,36 ansonsten re- gelmäßig als ein daraus extrahiertes und seitdem nicht minder observant repetiertes Büstenbild.37 Denn nach der plastischen und literarisch-bild- lichen Denkmalsetzung jenseits des Ärmelkanals mußte selbstverständlich auch im Heimatland ein solches her, und sei es einstweilen nur auf dem il- lusionierenden Wege der Graphik – ein öffentli- ches, haptisches Denkmal sollte Palladio erst 1859 gewidmet werden.38 Um die historische Würdi- gung machte sich bis dahin vor allem Ottavio Bertotti Scamozzi (1719–1790) verdient, der die- se nicht minder denn die britische Palladio-Versi- on fragwürdige Büste wiederholt an den Buchbe- ginn stellte. Im ersten Band seines kompendiösen Werküberblicks wird sie frei auf einen zweistufi- gen, ehrenhalber mit Festons behängten Sockel, dem das Clipeusbildnis einer lorbeergeschmück- ten Athena eingelassen ist, und vor einer man- dorlaartigen Dunkelnische des ansonsten leeren Fonds effektvoll ins Licht gesetzt.39 Wenige Jahre später auch in seiner Neubearbeitung der erstmals durch Burlington unternommenen Publikation hinterlassener Palladio-Zeichnungen zu den rö- misch-antiken Thermen.40 (Abb. 16 und 14) Und bernd ernsting254 36 Del teatro olimpico di Andrea Palladio in Vicenza. Discorso del Signor Giovanni Montenari Vicentino, Padua 1733, Frontispiz (Kupferstich) von Francesco Zucchi (1692–1764) nach Zeichnung von G. B. Marioli (nicht identifiziert). Dasselbe, allerdings mit Änderung des Grundrisses im aufgerollten Plan und ohne Zeichner- und Stecherangabe, durch Enea Arnaldi Accademico Olimpico, Vicenza 1769, Frontispiz (Kupferstich). 37 Vita di Andrea Palladio Vicentino egregio architetto scritta da Tommaso Temanza architetto […] aggiuntevi in fi- ne due scritture dello stesso Palladio finora inedite, Venedig 1762, Vortitel (Kupferstich) von nicht identifiziertem Künstler. 38 Skulptur von Vincenzo Gajassi (um 1811–1861) in Vicenza neben der Basilica Palladiana. 39 Le fabbriche e i disegni di Andrea Palladio, raccolti ed illustrati da Ottavio Bertotti Scamozzi […], Bd. 1 (von 4, bis 1783 erschienenen; Titel auch in frz.), Vicenza 1776, Frontispiz (Kupferstich) von Ravenet (nicht sicher identifiziert) nach Zeichnung des Architekten Davide Rossi (1744–1820), der 1793 (laut Privileg, S. VIII) einen allerdings auch auf 1776, somit rückdatierenden Nachdruck veranstaltete, dessen identisches Frontispiz er zu dieser Gelegenheit neu durch Pietro Bonato (zwischen 1765 und 1775–1820 oder 1827) stechen ließ. 40 Le terme dei Romani disegnate da Andrea Palladio e ripubblicate con la giunta di alcune osservazioni da Ottavio Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
zurück zum  Buch Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa"
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
Geschichte Chroniken
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa