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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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aus, mit denen der Verstorbene sich befaßt hat- te. Die tragende Konsolplatte steht für die Ar- chitektur, die Münzen für die Numismatik, die säugende Wölfin für Rom, der Kopf des blin- den Homer für Griechenland und für die Text- tradition, die Sphinx für Ägypten sowie beide für die Skulptur, die bemalte Vase für die an- tike Malerei. Das Bildnis selbst ist Zeugnis der Steinschneidekunst und wird von zwei Ehren- kränzen umgeben, der eine geflochten aus medi- terranem Lorbeer, der andere gewunden aus den Blättern nordischer Eiche.44 In der Kombinati- on von Buchtitel, Bildnis und Bildgegenwärtig- keit seiner Forschungsgegenstände ist dem Ge- lehrten hier ein Universaldenkmal seines Geistes errichtet, das über die Verbreitung des Werkes Einzug in jede wissenschaftliche Bibliothek neh- men sollte. Die hingegen irdische Vergänglich- keit deutete fünf Jahre später Winckelmanns Freund und zeitweiliger Lehrer Friedrich Adam Oeser (1717–1799) im fingiert realen Monument an, zu dessen Füßen neben dem Lorbeerzweig auch das Knäuel eines zerrissenen Lebensfadens, der Spinnrocken der Parzen liegen.45 Zerrissen, abgerissen ist seitdem die Traditi- on, das Bildnis des Gelehrten dauerhaft mit den schriftlichen Zeugnissen seines wissenschaftli- chen Wirkens zum Denkmal zu verbinden; statt des Frontispizes – es müßte beileibe nicht gleich die apotheotische Büste sein – findet sich schnö- de sein briefmarkengroßes Photo im Klappen- text des Schutzumschlages. Und indem der Bib- liothekar diesen umgehend entsorgt, verhindert er den Zuzug des Autors in jenes Pantheon der Geister, das sich über Jahrhunderte auf den Bü- cherborden gelehrter und lehrender Institu- te versammelte. Und gar das posthum errichte- te, das plastische Denkmal am öffentlichen Ort? Man stelle sich vor, die Wiener Universität hät- te nicht beizeiten über ihren Innenhof eine Zu- wanderungsbegrenzung gegenüber dreidimen- sionalen Memorabilia verhängt … die dortige Stein- und Bronzeschar der vorverstorbenen Ge(l)ehrten wäre womöglich kaum kleiner als die Zahl der aktuell immatrikulierten Aspiran- ten auf künftige solche Würdigungen. Abbildungsnachweis: Abb. 1, 2, 4: Antonio Cozza; Abb. 3: New York, Metropolitan Museum of Art, Library Pur- chase; Abb. 5: London, British Library Board/7815. aa.35/2014; Abb. 6: Digitale Sammlungen/Sächsische Landesbibliothek/Optica.24.m, misc.1; Abb. 7, 11, 17: Bayerische Staatsbibliothek München; Abb. 8: Köln, USB, Historische Sammlungen; Abb. 9: Universiteit An- twerpen, Bibliotheek Stadscampus, Historische Collec- ties; Abb. 10: London, The Trustees of the British Muse- um; Abb. 12, 13: Internet Archive/Smithsonian Libraries; Abb. 14: ETH-Bibliothek Zürich, Sammlung Alte und Seltene Drucke; Abb. 15: London, The Trustees of the British Museum; Abb. 16: Köln, LETTER Stiftung. Abb. 17: Johann Joachim Winckelmann, Geschichte der Kunst des Alterthums, 1776. bernd ernsting256 44 Das Profilbild geht auf das durch Johann Gottfried Dyck (1750–1813) in der Neuen Bibliothek der schönen Wissen- schaften und der freyen Künste (3. Bd., Leipzig 1766/1767, hier: erstes Stück, 1766) als Frontispiz publizierte Win- ckelmann-Porträt zurück, gestochen von Bartolomeo Folin (1730–[nach] 1808) nach einer im Leipziger Museum der bildenden Künste bewahrten, auf 1764 datierten Zeichnung von Giovanni Battista Casanova (1730–1795). 45 Histoire de l’art de l’antiquité par M. Winkelmann [sic]. Traduite de l’Allemand par M. Huber, Bd. 1, Leipzig 1781, Frontispiz nach Zeichnung von Adam Friedrich Oeser und Titel. Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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