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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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sen durchschnittlich 75 x 60 cm und können sieben lokalen Künstlern zugeschrieben werden (Abb. 2–4). Dem Erlass des Landgrafen nach- kommend, sind die Porträts beschriftet, zumeist in der oberen Bildzone rechts des Kopfes und anfangs auch das Familienwappen integrierend. In Gießen hingen die Bildnisse zunächst im al- ten, 1611 vollendeten Kollegiengebäude und wur- den nach dessen Abriss 1838 und einer gründli- chen Restaurierung in den 1850 neu errichteten, heute nicht mehr erhaltenen Aulabau überführt. Dort präsentierte sich die Professorengalerie ge- schlossen, in drei Reihen übereinander gehängt und begleitet von historischen Ganzfigurenpor- träts der hessischen Landesfürsten.9 Seriell angelegte Professorenbildnisse sind ein typisches Repräsentationsmedium der in der Frühen Neuzeit gegründeten protestanti- schen Universitäten, und der Erlass des hessi- schen Landgrafen bezeugt seine Kenntnis da- von. Vergleichbare Ensembles fanden sich in Tübingen und Leiden, bald auch in Jena, Leip- zig und Basel.10 Aufgrund der wachsenden Zahl der Porträts wurden sie häufig auseinandergeris- sen und auf unterschiedliche Räume der Univer- sität verteilt, mitunter auch ganz oder in Teilen ins Depot verbannt. In Gießen ist das frühneu- zeitliche Kollegium heute wieder in einem der universitären Repräsentationsräume versammelt, zur Schau gestellt als eine strenge Abfolge for- mal ähnlicher, gleich großer Bildnisse, deren ho- rizontale Reihung der hierarchischen Ordnung der vier historischen Fakultäten – Theologie, Ju- risprudenz, Medizin und Philosophie – und der Chronologie folgt.11 Das im frühen 17. Jahrhun- dert in Marburg begonnene, 1650 nach Gießen transferierte und dort bis in das späte 18. Jahr- hundert gewachsene Ensemble steht ästhetisch- symbolisch für das korporative Selbstverständ- nis der Gelehrten als ein Kollegium (universitas) von Gleichgesinnten. Die wuchtige, fakultäten- übergreifende Professorengalerie im Senatssaal repräsentiert die lange Tradition der Gießener Universität, die in den hier stattfindenden Gre- miensitzungen, Versammlungen, Festvorträgen etc. performativ bekräftigt und fortgeführt wird. Im Zuge der Wiedereröffnung der Gießener Hochschule nach dem Zweiten Weltkrieg (1946 bzw. 1957) griff man das am Ort bereits etablierte Medium der gemalten Porträtserie insofern auf, als nun – zusätzlich zur abgeschlossenen histori- schen Professorengalerie – eine auf kontinuier- liches Wachstum angelegte Rektoren- und Prä- sidentengalerie eingerichtet und das tradierte GelehrtenGedenken in der Universitätsstadt Giessen 307 thasar Schupp, auch eine Ratsherrengalerie (heute Leib’sches Haus; je ca. 30 x 30 cm groß, auf Holz, Leinwand oder Blech gemalt), die bis 1814 fortgeführt wurde und das städtische Pendant zur landgräflichen Initiative darstellt. 9 Vgl. Rösch, Professorengalerie (zit. Anm. 4), S. 433; Schnack, Beiträge (zit. Anm. 4), S. 21/Anm. 42. Eine ähnliche Hängung, ebenfalls in der Aula, ist für die Marburger Professorengalerie im ausgehenden 19. Jahrhundert bezeugt. Vgl. die Abb. in Graepler, Imagines (zit. Anm. 5), S. XXIII. – Nach Schnack (S. 20) waren die Professorenbildnisse zu ihrer Zeit, d.h. 1935, auf sechs Hörsäle des Universitätsgebäudes und das Dekanat der theologischen Fakultät verteilt. 10 Systematische Untersuchungen zur Professorengalerie als Typus stehen m. W. noch aus. Zu den Leipziger Pro- fessorenbildnissen vgl. R. Hiller von Gaertringen/N. Horsch, Incitamenta animi. Die Professorengalerie des 17. und 18. Jahrhunderts der Universitätsbibliothek Leipzig, in: Das Porträt als soziale Praxis (hrsg. von E. Krems/S. Ruby), Berlin, 2016, S. 281–299; zu den Tübinger Professorenbildnissen vgl. R. Scholl, Die Bildnissammlung der Universität Tübingen 1477–1927, Stuttgart 1927; W. Fleischhauer, Die ‚Imagines Professorum Tubingensium‘. Entstehungsgeschichte und Bildnisse, in: Erhard Cellius Imagines Professorum Tubingensium 1596 (hrsg. von H. Decker-Hauff/W. Setzler, Bd. 2 (Kommentar und Text in Übersetzung), Sigmaringen 1981, S. 21–32; S. Knöll, Creating academic communities. Funeral monuments to professors at Oxford, Leiden and Tübingen: 1580–1700, Equilibris Publ. 2003, S. 59–70; A. Ackermann/St. Freyer (Hg.), Standesgemäß? Jenaer Professorenporträts zwi- schen Adel und Nichtadel, Weimar 2015. 11 Einige der Professorenbildnisse wurden 1957 im Zuge der 350-Jahr-Feier der Universität aus dem Senatssaal in die Aula und andere Räume transferiert, wo sie dann verblieben. Die erneute Zusammenführung aller erhaltenen Port- räts im Senatssaal, mithin die heutige Präsentation, wurde erst 1993 abgeschlossen.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
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