Seite - 314 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Bild der Seite - 314 -
Text der Seite - 314 -
Fritz Schaper (1841–1919) gewonnen werden, der
für einen Standort in der baumbestandenen Ost-
anlage plädierte und sich damit gegenüber dem
Denkmalkomitee durchsetzte. Ursprünglich war
eine Aufstellung auf dem Platz vor dem Univer-
sitätshauptgebäude vorgesehen gewesen. Schaper
konzipierte ein pyramidal angeordnetes Monu-
ment mit hohem gestuftem Piedestal, auf dem er
das lebensgroße Standbild des Gelehrten in zeit-
genössischer Kleidung mit langem Gehrock und
offenem Mantel, die rechte Hand in napoleo-
nischer Haltung ins Revers gesteckt, platzierte.
Dem Wunsche des Denkmalkomitees entspra-
chen die Ausführung in weißem Marmor eben-
so wie die beiden allegorischen Frauenfiguren zu Seiten des Sockels, links eine Personifikation der
Wissenschaft mit aufgeschlagenem Buch und
Fackel, rechts die römische Göttin Ceres mit Äh-
ren und Trauben in den Händen.26 Das Denk-
mal wurde im Juli 1890 im Beisein des hessischen
Großherzogs Ludwig IV. und Liebigs Witwe fei-
erlich enthüllt.
Nach der nahezu vollständigen Zerstörung
infolge der Luftangriffe 1944/45 entschloss man
sich erst 1953, anlässlich Liebigs 150. Geburtstag,
zu einer Wiederaufstellung in sehr reduzierter
Form (Abb. 12). Am historischen Standort steht
nun in einem Buchsbaumgeviert eine Lungstein-
Stele, an dessen Vorderseite eine bronzene Büs-
te Liebigs – eine Kopie des Marmorkopfes vom
sigrid ruby
314
26 Vgl. von Simson (zit. Anm. 24), S. 40; Liebig in Gießen (zit. Anm. 21), S. 25. – Das Gießener Liebig-Monument
orientierte sich an dem zehn Jahre früher für den Berliner Tiergarten geschaffenen, sehr populären Goethe-Denkmal
Schapers. Deutliche Analogien bestehen auch zum Peter-von-Cornelius-Denkmal am Rande des Hofgartens in
Düsseldorf, das Adolf von Donndorf 1879 fertigstellte. Vgl. K. Brehm, Das Goethe-Denkmal in Berlin, in: Fritz
Schaper. Die Wiederentdeckung des Denkmals (Ausstellungskatalog Goch, hrsg. von U. Hinkforth), 2000, S.
39–53; von Simson, Schaper (zit. Anm. 24), S. 22 u. 116–119.
Abb. 12: Denkmal für Justus Liebig, 1953, Bronze und Lungstein, Gießen, Ostanlage.
Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
zurück zum
Buch Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa"
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Titel
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Herausgeber
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Abmessungen
- 18.5 x 26.0 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Kategorien
- Geschichte Chroniken