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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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Denkmal Schapers – sowie sein Name und die Lebensdaten angebracht wurden.27 Das Arrange- ment hat die Anmutung eines Grab- und Mahn- mals. Justus Liebig steht hier symbolisch für die klassische Tradition der ehemals hoch angesehe- nen Gießener Universität, an die es – nach der Perversion der Wissenschaften in nationalsozia- listischer Zeit – mit der Wiedereröffnung als Jus- tus-Liebig-Universität anzuknüpfen galt.28 Explizit auf die modernen Wissenschaf- ten und eine innovative Einzelleistung bezogen ist ein anderes Gelehrtendenkmal der zweiten Nachkriegszeit, das 1962 eingeweihte Röntgen- Denkmal (Abb. 7 und 13). Hierfür hatte die Gie- ßener Bürgerschaft, angeführt von einem loka- len Kunsthändler, Finanzmittel gesammelt und einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben, den der bekannte Berliner Bildhauer Erich F. Reuter (1911–1997) gewann.29 Sein damals als außerordentlich modern angesehenes, im Volks- mund „Hundeknochen“ genanntes Monument besteht aus einem hohen, mit Inschriften und einem Profilbildnis Conrad W. Röntgens (1845– 1923) versehenen Steinsockel, auf dem ein von Chromnickelstahl-Stäben durchdrungener Me- talltorso steht. Die abstrakte Skulptur ist eine anschauliche Darstellung der nach Röntgen be- nannten Strahlen, deren Entdeckung dem Phy- siker zwar nicht in Gießen gelang, aber dort von ihm vorbereitet worden war. Für die Gelehrtenmemoria der jüngsten Zeit stehen die sogenannten „Gießener Köpfe“, ein 2004 von Kulturdezernat und Kulturamt initi- iertes Unterfangen (Abb. 7, 14 und 15), dessen Weiterführung aktuell zur Debatte steht.30 An verschiedenen Orten der Innenstadt, vorzugs- weise in öffentlichen Grünanlagen, wurden in den vergangenen zehn Jahren Bronzeköpfe auf Lungstein-Stelen aufgestellt, um an bedeutende Persönlichkeiten, deren Namen mit Gießen ver- GelehrtenGedenken in der Universitätsstadt Giessen 315 27 Zunächst war hier der originale Marmorkopf des ursprünglichen Liebig-Denkmals montiert gewesen, der jedoch 1969 gestohlen und durch eine bronzene Kopie in der Originalgröße von 40 cm ersetzt wurde. Vgl. von Simson (zit. Anm. 24), S. 124. 28 Für den Zusammenhang s. a. die in den 1950er-Jahren entstandenen Bronzebüsten der beiden Gründerväter, Land- graf Ludwig V. und Justus Liebig, geschaffen von der in Weimarer Zeit erfolgreichen, von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierten Bildhauerin Emy Roeder (1890–1971) im Foyer des Universitätshauptgebäudes an der Ludwigstraße. 29 D. Klein, Röntgenstrahlen durchdringen Körper [= Denk-mal: unikunst 2], in: uniforum 3/2006, S. 8; W. Speit- kamp, ‚Sinnbild für unsere wieder aufgebaute Stadt‘? Das Röntgen-Denkmal in Gießen, in: Panorama (zit. Anm. 4), S. 272–277; Ernst F. Reuter. Monographie und Werkverzeichnis (hrsg. von A. Karpen), München 2005, S. 72. 30 Ich danke Simone Maiwald, Kulturamtsleiterin in Gießen seit 1. 5. 2013, für die Gelegenheit zur Einsicht der die „Gießener Köpfe“ betreffenden Akten am 13. 2. 2015. Abb. 13: Erich F. Reuter, Denkmal für Wilhelm Conrad Röntgen, 1962, Eisen, Chromnickelstahl, Stein, 5 m hoch, Gießen, Ostanlage.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Titel
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Herausgeber
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Abmessungen
18.5 x 26.0 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Kategorien
Geschichte Chroniken
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