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Auf die Tour! - Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
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168 AufderTour selbstverständlichalsMannundnichtalsFrauwahr;umdieneueKooperation nichtzugefährden, spielt Itke,nunalsYidl,diesesSpielmit.DerUmstanddes ReisenserleichtertwesentlichdenWechselzwischendenGeschlechtern.201 InderYidlmitnFidlkonntePiconimWechselderRollenzwischenMann undFrauverschiedeneEbenenstrukturellerDiskriminierungen,denenJüdin- nenundNichtjüdinnen ausgesetztwaren, thematisieren.Als Frauwirddie Musikerinzunächst sodargestellt, dass ihreBerufs-undBewegungsfreiheit Einschnitteerfährtundsienur inBegleitung–der ihresVatersundspäterauch deranderenEnsemblemitglieder–reisenkann.DamitgreiftderFilmdieoben dargestelltePanikauf,dassalleinreisendeFrauenderGefahrvonEntführung undZwangsprostitutionausgesetzt seien.DieseAngst sprichtderVaterexplizit anundgehtdeshalbschließlichmit seinerTochteraufReisen.Späterempfiehlt er ihrdieVerkleidungalsMann,damit sie sicherreisenundalsMusiker*in ihr Geldverdienenkönne. Allerdingsbricht aucheinCharakterdiesesNarrativderPanikund führt gleichzeitig diePluralität derPraxis desGender-Bendings vor: dieMusike- rinTaube,die später zuderGruppehinzustößt. Sie ist durch ihreKleidung undArtdesAuftrittsdeutlichalsFraumarkiert.MitTaubeerhältdieGruppe sodannumgehendmehrAufmerksamkeit.ZweivermeintlicheAgentenwol- len schließlichdieMusikerinabwerbenundzumStarmachen,umGeldan ihrzuverdienen.Hierscheint imFilmwiederderDiskursumdiePanikvor MädchenhändlernundderenvermeintlicheVerknüpfungmitderpopulären Kulturauf.Es steht sogleichdieFrage imRaum,obdieMusikerinwohlnur in einAbhängigkeitsverhältnisundspäter indieSexarbeitgelocktwerdenwürde. DieseSorgebestätigtsichjedochnicht.TaubeentziehtsichderSituation, indem siemit ihremFreunddavonläuftunderöffnetsoeineKarrierechance für Itke, diediese (zunächstausVersehen)ergreift. DieSzenevonYidls ‚Outing‘alsFrauisteinBühnenauftritt imTheater.Einer- seitszeigt sichhier,wie ihreGeschichteaufderBühnezueinerunterhaltsamen Gender-Performancewird. IhreErzählungüberdieGeschlechtertransgres- sionennimmtdasPublikummitHumorundLeichtigkeitauf, es ist„köstlich amüsiert“.AndieserSzenewerdenauchdieFreiheitendeutlich,diesichFrauen aufdenBühnennahmen.WährendItkealsYidl imAlltag ihreIdentifikation alsFrauverheimlichenmussoderzumindestdazuangehaltenwird,kannsie aufderfiktivenBühnefreivonderSeele sprechen.Siezieltdabeider Inszenie- rungnachgarnichtaufdieUnterhaltungdesPublikumsab.Soerzählt Itkes AuftrittunfreiwilligetwasüberdieWahrnehmungvonFrauenundgibtsichim 201 Migration imKontextpopulärerUnterhaltungundGendermobilität ist alsForschungsdesi- deratzusehen.ZuMigrationundQueerTheoriesieheEithenLuibhéid,„Queer/Migration: AnUnrulyBodyofScholarship“,GLQ14,no.2–3(2008):169–190,174. © 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
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Auf die Tour! Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
Titel
Auf die Tour!
Untertitel
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Autor
Susanne Korbel
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21188-4
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
272
Kategorie
Kunst und Kultur
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