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Singen,SpielenundErzählendarüber,„wasmanunterwegsalleserlebt“ 193
Ausgleich.DerKonsulatsbeamteversucht,dieGruppezuberuhigen,dennder
Konsul soll schließlichnicht gestörtwerden.DieseVorstellungen seien vor
zwanzig JahrennochRealität gewesen,mittlerweile aber leider nichtmehr.
LeiderhatderBeamtedamitwenigErfolg,dieMeutewill endlichwissen,wo
denndasLandsei, „woma’sGoldausderErdaußergrabt?“
EineandereAusgangssituationbei ihrerAnkunftinNewYorkfindeteine
MusikergruppeausWienvor.EinamerikanischerFarmerhatdasQuartett für
eineTourneenachAmerikaeingeladen.DieFinanzierungdafür sichertder
FarmerzuundhinterlegtGeldfürdieVier,dassiebei ihrerAnkunftnuram
Konsulatabholenmüssten.DasQuartettmachtsichmitdemDevisenscheinim
GepäckmitdemSchiffaufnachNewYork.WährendderÜberfahrtwerdensie
allerdingsvonvieranderenMigrantenbelauscht,die sovondemScheckund
deminNewYorkhinterlegtenGelderfahren.KaumistdasEnsemble inEllis
IslandvonBordgegangenundhatdieEinreiseprozedurüberstanden, stehtdas
Quartettmit seinemGepäckdaundüberlegt,wieesdenWegzumKonsulat
findenkönne.Unbemerkt stehlen ihnenderweildie anderenMigrantendie
InstrumenteundKoffer.ObwohldievieruntergutenVoraussetzungengestartet
sind, stehensie schließlichohneAusweiseundHabseligkeitenda.
Als identitätslosundohne Instrumenteauchals zukunftslosbeschrieben,
machensichdievierUnbemitteltenausWieninRichtungKonsulatauf,um
dortdas ihnenwiderfahreneVerbrechenzumelden.DieDiebekommenihnen
allerdingsauchdabeizuvorundbehebendas fürdasQuartetthinterlegteGeld.
Währenddie vierMusiker sichdurchdieWirrenderMigrationmäandern,
istderDiebesbandeeinguterStart indergoldenenMedine sicher.Undauch
dasKonsulat schenktdem„richtigen“QuartettkeinenGlauben.Schlimmer
noch,weil sichdieMännernichtausweisenkönnen,werdensie sodannselbst
fürdieBetrügergehalten.AusAngst, zuverhungern,„gesteht“dannzuallem
Übeleinerdervier fürein inAussichtgestelltesFrühstückdenDiebstahl,den
siegarnichtbegangenhaben.Esdauert sonocheineWeile,bisdasQuartett
denKonsulatsbeamtenvonseinemtatsächlichenSchicksalüberzeugenkann.
Dasgelingt schließlich,alsdie Instrumenteauftauchen,diedieGanovenman-
gelsVerwendungsmöglichkeit zurückgelassenhaben.DasQuartetthatnundie
Möglichkeit, zubeweisen,dassesdasWienerliedspielenkann.BeiderDarbie-
tungaltbekannterundpopulärerMelodienerkennteineandereMigrantindas
berühmteQuartettausderMonarchie; einBeweis,derdievier schließlich ihre
„Identität“wiedererlangen lässt.
DasStückporträtiertdamitsehreindringlichdieGefahren,dieeineTour-
nee fürKünstler*innenbedeuteten konnte.Auchwenndie Fahrt über den
AtlantikzurJahrhundertwendenichtmehreinschwerzubewältigendesUn-
ternehmendarstellte–dauertedieÜberfahrt kaumeineWocheundwaren
Tickets zudurchaus erschwingbarenPreisen zuhaben–, stellten vor allem
© 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien
https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
Auf die Tour!
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
- Titel
- Auf die Tour!
- Untertitel
- Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
- Autor
- Susanne Korbel
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21188-4
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 272
- Kategorie
- Kunst und Kultur