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Auf die Tour! - Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
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210 Dieurbanen„Busentempel“alsMöglichkeitsräume Zunächst versprichtdieNichte ihrerTante, alleineund imFrauenabteil des Zugeszureisen, jedenfalls jedenKontaktzuMännernzumeiden.109 DasVersprechen,dasdieNichte ihrerTantegibt (nämlichalsalleinreisende Frauvorsichtigzuseinundkeinesfalls inKontaktmitMännernzutreten) ist imZusammenhangmitdemzeitgenössischenProblemdesMädchenhandels zu sehen.Männer, diemitMädchenund jungenFrauenunweit vonderen Zuhause inKontakt tratenundsieüberzeugtenoderüberwältigten,mit ih- nenzukommenundalsProstituierte fürsiezuarbeiten,prägtendasBilddes umherfahrendenMädchenhändlers,des„jüdischenMädchenhändlers“.Zum einenentstanddasStereotypdes„jüdischenMädchenhändlers“,weilvieleder OpferderMenschenhändlerJüdinnenundJudenwaren.Zumanderennährten abergeradeauchantisemitischeVorurteileeine indenDebattenals„jüdisch“ bezeichneteGefahr.DieAufregungdarüberbestandvorallemdaraus, zude- battieren,wieFrauenvordem„jüdischenMädchenhändler“beschütztwerden könnten.110 Jedenfalls führteeinegehäufteZahlanVorkommnissendieserArt –dievomwillentlichenMitkommenwieunwillentlichenEntführungenvon Mädchenund jungenFrauen reichten–zueinerPanik.111Gemeinsammit anderen(imvorherigenKapitelaufgezeigten)Gefahren,zeigtedieAngstdavor, manselbstoderdieTöchterkönntenOpferdesMädchenhandelswerdenund inBordelle in denöstlichenund südöstlichenGebietenEuropas oder Süd- amerikasverschlepptwerden,dassdasReisenzunehmendals einGefahren Ausgesetztseinempfundenwurde. ObwohlReisenalsgefährlicherlebtwurde,bedeuteteesebensoAbenteuer. TrotzderAngstunddenVorbehalten,Frauenalleinreisenzu lassen,herrschte offensichtlichauchEinigkeitdarüber,dasseineReise im„gemischtenAbteil“ vielvergnüglicherwar.Deshalbsetzte sichdieProtagonistinüberdasVerspre- chenhinwegundmussteschließlichdarübernachdenken,wassiedennnun amEndederReisemiteinerKrawatteundHosenträgernanfangensolle.Die KompositionderSzeneerschöpftsich folglichnicht ineinervermeintlichen DichotomievonmännlichenundweiblichenStereotypen.Vielmehrzeigtdie Protagonistin imVorführen ihrer aufkommendenGedanken, dass sichdie KonstruktionvonGeschlechternormenund-klischeeswechselseitigzwischen allenGeschlechterkonstruktionenergibt.SobleibtdieSängerinnichtnurdabei, sichzufragen,wassienunmitdenHabseligkeitendesMannesmachensolle; siemonologisiert auchdarüber,wie ihremännlicheReisebekanntschaftmit demStrumpfbandunddergleichenin ihremKofferwohlumgehenwerde.Für 109 PeterW.Marx,EintheatralischesZeitalter:BürgerlicheSelbstinszenierungenum1900(Tü- bingen:Francke,2008),226–240. 110 Stauter-Halsted,„AGenerationofMonsters“,25–35. 111 Wingfield,TheWorldofProstitution,10–12. © 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
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Auf die Tour! Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
Titel
Auf die Tour!
Untertitel
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Autor
Susanne Korbel
Verlag
Böhlau Verlag
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21188-4
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
272
Kategorie
Kunst und Kultur
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