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Zusammenfassung 231
demStückbotThomashefsky einenRaumfürdieDiskussionvonPopulär-
kulturundProstitution.EssetztesichmitdemLebenaufderStraßeundder
Verdienstmöglichkeit vonMigrant*innen inderPopulärkultur auseinander
undwiesdarauf hin, dass diejenigen, die gernedieTheater besuchten, sich
abwertendüberdieProduzent*innenvonPopulärkulturäußerten.
InvielenLebensgeschichtenwurdediePhasederMobilitätalszuFertigkeiten
führendoder ineine sexuelleBeziehungmündend inszeniert.Das explizite
HervorhebenderVeränderungvonBiographiendurchMobilitätkannauch
als einHinweisandasPublikumaufdieVeränderbarkeitderGegenwart in-
terpretiertwerden.RundumMobilität stelltedieFragenachPrivatheitund
IntimitäteinzentralesThemadar.Woundwiegenächtigtwerdenkonnte,war
breitdiskutiert.DieHotelsundÜbernachtungsräumewarenparadigmatische
Nicht-Orte. In ihnenistdasAushandelnvonBeziehungennichtvonRelevanz,
sondernstehtdiePraxisdesTuns imVordergrund.DasÜbernachtungsabteil
indemStückDasSchlafcoupéverhalfeinemzerstrittenenEhepaarzueinem
gemeinsamenKind:DieschwangereEhefraunutztedasBildüberdasReisen
inSchlafcoupés, umbehauptenzukönnen,mit ihremEhemanngeschlafen
zuhabenundnicht zu ihrerAffäre stehenzumüssen. InEinHotel inBuda-
pest fungierte dieUnterkunftsmetapher alsÜberleitung zumStundenhotel
fürdiegehobeneBudapesterGesellschaft.DamiterfülltenRäumewieHotels
oderZugabteile denZweck, zurVerhandlungsfläche vonBeziehungenund
gesellschaftlichenNormenzuwerden.
Außerdemwarenalle Stücke Interaktionsfeldervon Jüdinnen, Judenund
NichtjüdinnenundNichtjudenundeinSpiegelderwechselseitigenBeziehun-
genzwischenihnen.3DieKonzeptionderStückespiegeltedieplurikulturelle
ZusammensetzungdesPublikumswider.DiePopulärkulturzeigtzudem,dass
StereotypegleichermaßenvonNichtjüdinnenundNichtjudenwieJüdinnen
undJudenaufgegriffenwurdenundsiediesesomitgemeinsamverhandelten.
VoneinemperformativenKonzeptvonTheaterausgehend, lässt sichabschlie-
ßendfolgern,dassdieAufführungensomiteinenRaumfüreingemeinsames
AushandelnvonIdentitätenzwischenJüdinnenundJudenundNichtjüdinnen
undNichtjudendarstellten.4
3 ZuderBedeutungvonText als „space“ inden JüdischenStudien sieheCharlotteElisheva
Fonrobert,VeredShemtov,„Introduction: JewishConceptionsandPracticesofSpace“, Jewish
SocialStudies11,no.3(2005):1–8,2; sowieKapitel3.
4 ErikaFischer-LichteprägtemaßgeblichdasVerständnisvonTheateralsperformativenRaum:
Bedeutungen inAufführungenwerdensomitnicht lediglichzwischendenSchauspieler*innen
aufderBühneverhandelt, sondernzueinementscheidendenTeilvomPublikummitbestimmt.
Fischer-Lichte,Performativität,37–44und53.
© 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien
https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
Auf die Tour!
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
- Titel
- Auf die Tour!
- Untertitel
- Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
- Autor
- Susanne Korbel
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21188-4
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 272
- Kategorie
- Kunst und Kultur