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Warum die Fernsteuerung weniger Angst macht
Freiheitsnische inszeniert: Um einer Polizeikontrolle zu entgehen, deaktiviert Dallas den
Automatikmodus seines Taxis (Das fünfte Element, 34:20). Dies geschieht per Knopfdruck
und nicht per Stimmbefehl.
Das gesamte Setting des Films I, Robot (2004) von Alex Proyas zielt auf die Ambivalenz
aus Unheimlichem und Wunderbarem moderner Automaten. Kommissar Spooner (Will
Smith) verfügt über einen vollautonomen Audi RSQ, der manuell gesteuert werden kann.
Das oben offene Steuerrad mit seitlichen Joysticks ist wie im Firebird II ausfahrbar. Akti-
viert wird es per Knopfdruck.
Obwohl das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit durch einen Tunnel fährt, entschließt
sich Spooner plötzlich, das Steuer selbst zu übernehmen. „Manual Driving“ bestätigt der
Wagen mit einer weiblichen Stimme (I, Robot, 21:23). Seine Beifahrerin fragt entsetzt, ob
er wirklich manuell fahren wolle. Kurz darauf gibt es fast einen Unfall. Bei hohen Ge-
schwindigkeiten ist die automatische Steuerung also sicherer als die manuelle. Was Sicher-
heit bedeutet, hängt aber vom Kontext ab. Um sich vor Angreifern in Sicherheit bringen zu
können, muss der Wagen manuell gesteuert werden (I, Robot, 50:46). Fluchtfahrzeug und
autonomes Fahren widersprechen sich auch hier.
I,Robot ist bis heute der letzte Film, der autonomes Fahren zeigt. Dies kann im Zusam-
menhang mit den Roboterrennen des US-amerikanischen Militärs gesehen werden, die im
selben Jahr starteten. Mit dem Ziel, zukünftig ein Drittel aller US-Militärfahrzeuge auto-
nom fahren zu lassen, veranstaltete die Forschungsabteilung DARPA (Defense Advanced
Research Projects Agency) 2004 die erste Grand Challenge, ein Wüstenrennen autonomer
Fahrzeuge. Aus dem zweiten Rennen 2005 ging ein VW Touareg namens Stanley als Sieger
hervor. Er war im Artificial Intelligence Laboratory der Stanford University unter Leitung
von Sebastian Thrun entwickelt worden, der 2008 die bekannte Flotte autonomer Fahrzeu-
ge bei Google aufbaute.
Damit ist das fahrerlose Auto in der Realität angekommen. Lange Zeit inspirierte die
Forschung den Film, nun scheint es umgekehrt zu sein: Der Film dient Forschungsteams
als Referenz: So nahm an der Urban Challenge 2007 ein Fahrzeug mit dem Namen Knight
Rider (Team University of Central Florida) teil.
3.21 Warum die Fernsteuerung weniger Angst macht
Kommen wir zum Schluss zur Fernsteuerung zurück, die im Film als die am wenigsten
problematische Lösung inszeniert wird. Batman (1989) ruft sein Fahrzeug über ein Funk-
gerät herbei (Batman 01:08:55), James Bond steuert seinen Wagen in Tomorrow never dies
(1997) über ein Touchpad auf einem frühen Smartphone (Tomorrow never dies, 51:24,
57:26).
Beide Autos sind nicht wirklich fahrerlos, der Fahrer befindet sich nur außerhalb des
Wagens. Es gibt also eine Delokalisierung des Fahrerarbeitsplatzes, die Kontrolle wird aber
nicht völlig an die Maschine übergeben. Aus diesem Grund taugen die Autos auch als
Fluchtfahrzeuge. Von einem Auto gefahren zu werden, ist offenbar inkompatibel mit dem
Autonomes Fahren
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