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1779.2
Carsharing: „Kernapplikation“ neuer Mobilitätskonzepte
für eine beliebige Dauer verfügbar. Ähnlich flexibel sind die neuen Mitfahrdienste, sie
gleichen dabei allerdings dem konventionellen Taxi. Eine wesentliche Voraussetzung für
die Entstehung aller neuen Mobilitätskonzepte sind die Möglichkeiten, die heute hinsicht-
lich der Vernetzung von Fahrzeugen, Nutzern und Betreibern mithilfe von Informations-
und Kommunikationstechnologien vorhanden sind. Dadurch wird ein grundsätzlich ein-
facher und schneller Zugriff auf Fahrzeuge oder Dienste mittels Internet oder Smartphone-
App überhaupt erst möglich. Dennoch bleibt grundsätzlich der Zugang im Sinne der
physischen Distanz zwischen dem Standort des Nutzers und dem des Fahrzeugs als Nut-
zungshürde bestehen, insbesondere in Gebieten, in denen die Fahrzeugdichte nicht sehr
hoch ist.
Mit der Einführung von autonomen Fahrzeugen erscheint es möglich, die bestehenden
Konzepte deutlich zu erweitern und auszudifferenzieren: Der Zugriff auf und Zugang zum
Fahrzeug verändern sich, indem nicht mehr der Nutzer zum Fahrzeug, sondern das Fahr-
zeug zum Nutzer kommt; die Fahrzeuge selbst werden für einen erweiterten Personenkreis
wie z. B. mobilitätseingeschränkte Menschen nutzbar; neue Formen von öffentlichem Ver-
kehr sind denkbar, auch im Sinne einer weiteren Aufweichung der Grenzen zwischen Indi-
vidualverkehr und öffentlichem Verkehr.
Der vorliegende Beitrag hat das Ziel, diese Optionen und die damit verbundenen Erwar-
tungen vorzustellen. Dabei konzentrieren sich die Ausführungen und die Diskussion auf
das Carsharing. In einem ersten Schritt wird der derzeitige Stand von Angebot und Nutzung
der sogenannten „Neuen Mobilitätskonzepte“, bei denen das Carsharing den Kern bildet,
dargestellt. Den Hauptteil des Beitrags bildet die Diskussion zu den Chancen und Heraus-
forderungen, die sich durch die Einführung von autonom fahrenden Fahrzeugen in Car-
sharing-Flotten ergeben würden. Derzeit gibt es eine Reihe von Anzeichen dafür, dass
Spontaneität und Flexibilität eine besonders hohe Bedeutung für die Nutzung der neuen
Mobilitätskonzepte haben könnten (vgl. [11, 13]). Genau an dieser Stelle, nämlich der
Erhöhung von Spontaneität und Flexibilität, könnten neue Mobilitätskonzepte mit auto-
nomen Fahrzeugen ansetzen. Entsprechende Überlegungen sind bei Betreibern von flexi-
blen Carsharing-Flotten bereits im Entstehen [4].
9.2 Carsharing: „Kernapplikation“ neuer Mobilitätskonzepte
Carsharing gibt es in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern etwa seit den 1980er-
Jahren. Unter Carsharing wird hier der Betrieb einer Pkw-Flotte verstanden, die entweder
stationsbasiert oder Punkt-zu-Punkt verfügbar ist. Jeder Inhaber und jede Inhaberin einer
gültigen Fahrerlaubnis kann sich als Mitglied einer Carsharing-Organisation – in der Regel
bei gleichzeitiger Entrichtung einer Anmeldegebühr – registrieren lassen und erhält damit
Zugang zu den Fahrzeugen. Die wesentlichen Variationen des Carsharing ergeben sich aus
den räumlichen und zeitlichen Zugriffsbedingungen auf die Fahrzeuge sowie aus den
Geschäftsmodellen; Abb. 9.1 fasst die Ausprägung der verschiedenen Konzepte in ihren
Grundzügen zusammen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung