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Einführungsszenarien für höhergradig automatisierte
Straßenfahrzeuge204
tisierte Taxis nur in einem Stadtteil), dessen Umsetzung sich dann allerdings schnell räum-
lich ausbreitet und an Marktanteil gewinnt. Ankündigungen der treibenden Firmen stützen
die Vermutung, dass die Einführung höhergradig automatisierter Fahrzeuge noch vor 2020
erfolgt [22].
Mit solch einer zunächst begrenzten Einführung hätten die automobilfremden Techno-
logiefirmen die Möglichkeit, schon bald viel Erfahrung und Datenmaterial zu sammeln,
auch was die öffentliche Reaktion betrifft, und dies dann für einen zügigen Ausbau auf
regionaler, nationaler und letztlich globaler Ebene zu nutzen. Eine derartige Einführungs-
strategie wäre für die etablierte Automobilindustrie eher ungewöhnlich und unter Umstän-
den imageschädigend. Für die nichtautomobilen Technologiefirmen dagegen ist eine solche
Vorgehensweise üblich. Sie hat in der Vergangenheit bei anderen Produkten durchaus zu
einem positiven Image beigetragen, da eine begrenzte Einführung eine gewisse Exklusivi-
tät mit sich bringt [36, 37].
10.3.3 Zusammenwachsen von Individualmobilität
und öffentlichem Personentransport: transformatives Szenario
Ein weiteres Einführungsszenario für das automatisierte Fahren besteht in der Implemen-
tierung von Mobilitätslösungen, die beispielsweise im innerstädtischen Bereich langsam
fahrende Fahrzeuge zur Personenbeförderung anbieten. Derartige Fahrzeuge könnten vom
Verbraucher per Smartphone-App angefordert und für eine vergleichsweise kurze Strecke
genutzt werden (s. Use-Case „Vehicle-on-Demand“ Kap. 2). Die Treiber derartiger Kon-
zepte sind oft Firmenneugründungen im Hochtechnologiesektor, aber auch Mobilitäts-
dienstleister, Gemeinden oder Betreiber von Vergnügungsparks oder Ähnlichem. Ziel ist
es hier, die Vorteile von Individualmobilität (Unabhängigkeit und Flexibilität) mit denen
des öffentlichen Personentransports (Energieeffizienz und Raumökonomie) zu kombi-
nieren und damit entsprechend der eingangs beschriebenen Motivation für das automa-
tisierte Fahren vorrangig Vermeidung von Staus im innerstädtischen Bereich zu erreichen
(s. Kap. 9).
Die Beweggründe für die Firmenneugründungen, sich in derartigen Bereichen zu be-
tätigen, liegen in der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und dem Einsatz neuer Techno-
logien. Dabei bietet besonders der Einsatz der mittlerweile als modulare Komponenten
weitverbreitet verfügbaren Systeme in der Bildverarbeitung, Objekterkennung und Routen-
planung auch fachfremden Firmen Möglichkeiten, höhergradig automatisierte Mobilitäts-
konzepte mit begrenztem Einsatzgebiet umzusetzen. Die verfolgten Konzepte für eine
Markteinführung sind häufig Angebote für die sogenannte „erste bzw. letzte Meile“, d. h.
langsam fahrende und gebietsbeschränkte Fahrzeuge, die das privat genutzte Automobil
oder den öffentlichen Personentransport komplementieren. Konkrete Anwendungsbeispie-
le sind die Erweiterung der Angebote von Bussen und Stadtbahnen, wo ein fahrplanmäßiger
Betrieb aus infrastrukturellen oder finanziellen Gründen nicht möglich ist, oder Shuttle-
Dienste im Anschluss an eine Autofahrt, die beispielsweise auf einem Parkplatz am Stadt-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung