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Einführungsszenarien für höhergradig automatisierte
Straßenfahrzeuge208
oder Freizeitparks. Damit kann vereinfachend gesagt werden, dass sich das evolutionäre
Szenario dem Ziel der Vollautomatisierung mit einem Ansatz „unbegrenztes Einsatzgebiet
und begrenzte Automatisierung“ nähert, das revolutionäre und transformative Szenario
dagegen mit einem Ansatz „begrenztes Einsatzgebiet und unbegrenzte Automatisierung“.
Besonders interessant ist beim Vergleich in Abb. 10.2, dass sich das revolutionäre
Szenario auf keiner der beiden Achsen im Vergleich zu dem evolutionären bzw. trans-
formativen Szenario heraushebt, aber in der Gesamtsicht dem Zielszenario eines vollauto-
matisierten und unbegrenzt zu nutzenden Fahrzeugs am nächsten kommt. Damit scheint
dieses Szenario dem „jedermann, immer, überall“ durch die Kombination eines vergleichs-
weise großen Einsatzgebiets mit vergleichsweise hoher Automatisierung am ehesten zu
entsprechen.
Für das transformative Szenario ist besonders zu betrachten, durch wen die Fahrzeuge
betrieben werden. Zu erwarten ist, dass geschultes Fachpersonal den Betrieb der Fahr-
zeuge überwacht oder zumindest eine regelmäßige, z. B. tägliche, technische Überprüfung
vornimmt. Das Szenario ist damit deutlich vom Betrieb individuell genutzter Pkw zu
unterscheiden, bei denen abgesehen von einer gelegentlichen Wartung kein Fachpersonal
in den Betrieb involviert ist, sondern als technische Laien zu betrachtende Personen die
Fahrzeuge betreiben. Dadurch stellt der Anwendungsfall „jedermann, immer, überall“ für
das evolutionäre Szenario eine ganz besondere Herausforderung dar, weil eine extrem hohe
Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit auch ohne eine kontinuierliche Fachbetreuung zu ge-
währleisten sind. Dessen ungeachtet erweisen sich die revolutionären und transformativen
Szenarien bei der Vorbereitung höhergradig automatisierter und individuell genutzter Pkw
als hilfreich, da sich unter Aufsicht durch Fachpersonal schon frühzeitig Erfahrungswerte
aus dem Betrieb dieser Fahrzeuge ableiten lassen.
Ein möglicher Anwendungsfall für höhergradig automatisierte Fahrzeuge, der sich nicht
direkt in die genannten drei Entwicklungsszenarien eingliedern lässt, dem aber doch eine
besondere Bedeutung zukommt, ist ein automatisierter Konvoi auf Schnellstraßen oder
Autobahnen. Bei diesem Anwendungsfall werden mehrere ansonsten individuell genutzte
Fahrzeuge durch eine gemeinsame Kommunikationsinfrastruktur zu einem virtuellen
Gespann zusammengekoppelt. So kann dann die Längs- und Querführung automatisiert
werden, allerdings ist dazu auch ein besonderer Kommunikationsstandard erforderlich und
nur damit kompatible Fahrzeuge können eingebunden werden. Das erste Fahrzeug in solch
einem Konvoi wird – zumindest vorläufig – von einem professionellen Fahrer geführt
werden, alle nachfolgenden Fahrzeuge benötigen dagegen keine dauernde Überwachung
und greifen nur in Ausnahmesituationen auf den Fahrer zurück [44].
Das Szenario für den automatisierten Fahrzeugkonvoi vereint verschiedene Eigenarten
der evolutionären und transformativen Szenarien, die es auch realistisch erscheinen lassen,
derartige Konzepte zeitnaher im allgemeinen Straßenverkehr umzusetzen. Damit können
auf der einen Seite bereits frühzeitig Szenarien mit höhergradig automatisierten Fahr-
zeugen realisiert werden, da die gegebenenfalls eingeschränkten Objekt- und Situations-
erkennungsfähigkeiten automatisierter Systeme durch die Leistungsfähigkeit und Erfah-
rung des Fahrers im Führungsfahrzeug komplementiert werden können. Auf der anderen
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