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Autonomes Fahren und
Stadtstruktur226
erforderliche Infrastrukturen. Technologische Entwicklung findet zwar statt, ist aber vor-
nehmlich auf Effizienzgewinne einzelner Bereiche (Verbrennungsmotoren, Solarenergie)
beschränkt. Die Steuerungsmöglichkeiten des Staates werden als begrenzt gesehen. Auch
ein Verhaltenswandel, wie in den vorherigen Entwicklungen skizziert, wird nicht sichtbar.
Hinsichtlich Mobilität und Raumstruktur sehen die Autoren dieses Szenarios ein auto-
dominiertes Modell weiterhin deutlich ausgeprägt. Im öffentlichen Verkehr werden sich in
vielen Städten aufgrund staatlich begrenzter Kapazitäten zur Weiterentwicklung des öffent-
lichen Verkehrssystems sogenannte informelle Paratransit-Dienste weiterentwickeln. Der
Vernetzungsgrad mit vorhandenen Angeboten bleibt gering. Die Möglichkeit eines auto-
nomen Verkehrssystems wird nicht thematisiert. Räumlich sind Städte durch eine niedrige
Dichte und fragmentierte Siedlungsstrukturen gekennzeichnet. Diesbezüglich schreiben
die Autoren einen derzeit global zu beobachtenden Trend fort [13].
11.2.4 Diskussion
Die hier dargestellte Auswahl und Analyse zeigt, dass Szenarien die Möglichkeit eines
durch automatisiertes Fahren veränderten bzw. veränderbaren Verkehrssystems teilweise
thematisieren. Automatisierte Lösungen werden insbesondere in Szenarien mit hoher
Durchdringung und Verknüpfung innovativer Kommunikations- und Ortungstechnologie
formuliert (regenerative und hypermobile Stadt). Automatisiertes Fahren im städtischen
Kontext wird dabei als Beitrag im öffentlichen Verkehr erwartet. Die Szenarien beschreiben
beispielsweise den Einsatz von stapel- und programmierbaren Kleinstfahrzeugen oder ein
integriertes Massentaxi-System. Das automatisierte Privatfahrzeug findet im Zuge des
Langstreckenverkehrs auf Autobahnen Erwähnung (s. Tab. 11.1).
Mit Blick auf die Auswirkungen durch automatisiertes Fahren auf die Stadtstruktur
beschreiben die unterschiedlichen Szenarien zunächst den Zusammenhang mit einem all-
gemeinen Wandel der Rahmenbedingungen. Das Szenario der regenerativen Stadt zeigt
sich in einer zunehmenden Dichte von Bevölkerung und Funktionen in Städten. Andere
Szenarien (hypermobile und endlose Stadt) gehen von einer Fortführung derzeit global zu
beobachtender Suburbanisierungstendenzen als Folge individueller Präferenzen einkom-
mensstarker Haushalte oder aufgrund von Abdrängungsprozessen einkommensschwäche-
rer Haushalte aus. Als sichtbare Veränderung der Stadtstruktur durch ein Verkehrssystem
mit Elementen des automatisierten Fahrens wird in verschiedenen Szenarien die Entste-
hung sogenannter Mobilitätshubs oder -knoten beschrieben. Im Szenario der regenerativen
und intelligenten Stadt wird die Vorstellung der Vernetzung konsequent auf den Stadtraum
übertragen. Multimodale Verkehrsknoten ermöglichen eine physische Vernetzung und
einen einfachen Umstieg zwischen verschiedenen Modi wie beispielsweise vom (Elektro-)
Auto auf öffentliche Verkehrsmittel. Das Szenario geht noch einen Schritt weiter, indem es
über die Bündelung unterschiedlicher Mobilitätsangebote auch von einer Änderung sons-
tiger Nutzungen ausgeht. Es beschreibt Stadtquartiere, die sich rund um Mobilitätsknoten
und Versorgungsdienstleistungszentren organisieren und bei denen automatisierte Fahr-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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