Seite - (000254) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000254) -
Text der Seite - (000254) -
Autonome Fahrzeuge und autonomes Fahren aus Sicht der
Nachfragemodellierung242
12.1 Einleitung
Luis G. Willumsen, einer der renommiertesten Wissenschaftler für die Verkehrsmodellie-
rung, stellte 2013 auf einer Fachkonferenz fest: „We can no longer ignore them [autonome
Fahrzeuge], if planning horizon is 10+ years“ [37]. Doch Arbeiten, die versuchen, die
Auswirkungen der autonomen Fahrzeuge auf die Alltagsmobilität der potenziellen Nutzer
und konkret deren Verkehrsmittelwahl zu antizipieren, finden sich erst selten [11], [19],
[37]. Allerdings erlaubt ein Blick auf die individuellen Treiber unseres täglichen Mobili-
tätsverhaltens bereits jetzt vorsichtige Aussagen zu etwaigen Verhaltensänderungen durch
die Einführung autonomer Fahrzeuge. Analogieschlüsse zur Nutzung bekannter Verkehrs-
mittel und ihre Übertragung in Verkehrsnachfragemodelle lassen erste quantitative Aus-
sagen über Auswirkungen auf die Gesamtverkehrsnachfrage zu. Die Nachfragemodellie-
rung ermöglicht es hierbei, zwischen unterschiedlichen räumlichen Kontexten und Nutzer-
gruppen zu unterscheiden und verschiedene Szenarien zum Einsatz solcher Systeme zu
evaluieren.
Ziel des Kapitels ist es, erste Ansätze zur Berücksichtigung autonomer Fahrzeuge bei
der Verkehrsmittelwahl – auch „Modalwahl“ genannt – in Personenverkehrsnachfragemo-
dellen zu skizzieren. Hierzu wird zunächst aufgezeigt, welchen Faktoren eine zentrale
Rolle bei den individuellen Abwägungsprozessen zwischen unterschiedlichen Verkehrs-
mitteln zukommt. Der anschließende Abschnitt gibt eine kurze Einführung in die Funkti-
onsweise von Verkehrsnachfragemodellen. Nachfolgend wird eruiert, welche Änderungen
im Verkehrsmittelwahlverhalten durch die Einführung von autonomen Fahrzeugen mög-
lich erscheinen. Differenziert nach unterschiedlichen Nutzungsszenarien wird erörtert,
welche Eigenschaften der neuen Fahrzeuge, aber auch des räumlichen Kontextes und der
etwaigen Nutzer selbst für die Wahrnehmung und Bewertung der Fahrzeuge von Bedeutung
sein könnten und in welchem Konkurrenzverhältnis diese Fahrzeuge zu den bisherigen
Verkehrsmitteln stehen. Zur Stützung der Ausführungen werden erste Ergebnisse einer
Onlinebefragung zur Haltung gegenüber autonomen Fahrzeugen sowie ihres antizipierten
Einsatzes vorgestellt. Abschließend wird aufgezeigt, welche Herausforderungen bei einer
Integration autonomer Fahrzeuge in die modellgestützte Verkehrsnachfragebetrachtung
bestehen und welche Erweiterungen der Modelle, aber auch der vorhandenen Datenbasis
für eine adäquate Abbildung notwendig wären.
12.6 Autonome Fahrzeuge in der Nachfragemodellierung: Möglichkeiten
und Grenzen einer Integration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
12.7 Zusammenfassung und Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung