Seite - (000259) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000259) -
Text der Seite - (000259) -
24712.4
Wirkung autonomer Fahrzeuge auf unser Verkehrsmittelwahlverhalten
Verkehrsnachfragemodelle sind stark datengetrieben und setzen die Möglichkeit voraus,
quantitative Aussagen zu Wirkungszusammenhängen treffen zu können. Mangels Daten
können zahlreiche Faktoren, die als relevant für die Verkehrsmittelwahl bekannt sind, oft
nur vereinfacht in den Modellen Berücksichtigung finden. Betroffen sind vor allem soge-
nannte „weiche Faktoren“ wie Routinen, die wahrgenommene Bequemlichkeit und Ver-
lässlichkeit eines Verkehrsmittels, der assoziierte Fahrspaß, das damit verbundene soziale
Ansehen oder auch das individuelle Sicherheits- und Rückzugsbedürfnis. Aber nicht nur
Einstellungsfaktoren, auch das Wissen über die Alternativen, der eventuelle Planungs-
aufwand und das Abstimmungsverhalten im Haushalt sind Beispiele für Aspekte, die bei
der Verkehrsnachfragemodellierung trotz ihrer bekannten Relevanz bisher kaum Berück-
sichtigung finden (vgl. u. a. [35]).
Eine spezielle Herausforderung besteht darüber hinaus in der Abbildung neuer Verkehrs-
mittel. Die Liberalisierung des Fernbusverkehrs in Deutschland, die Einführung stations-
ungebundener Carsharing-Angebote oder auch die Markteinführung elektrisch angetriebe-
ner Pkw sind Beispiele für Modifizierungen bestehender Verkehrsmittelangebote, bei
denen sich eine Vorhersage der Nutzung schwierig gestaltet und belastbare Zahlen zu den
Wirkungszusammenhängen fehlen. Doch auch eine Abgrenzung der verschiedenen be-
stehenden Verkehrsmittel anhand „harter“ Faktoren ist nicht immer einfach. Verkehrs-
modelle wurden historisch vor allem zur Berechnung der Fahrleistung von Pkw eingesetzt.
Noch 2012 konstatiert Bates, klassischerweise hätten Vier-Stufen-Modelle kaum mehr als
eine Differenzierung zwischen „privaten Modi“, d. h. Pkw-Nutzung, und „öffentlichen“
Modi enthalten und wären erst in letzter Zeit um weitere Aspekte wie beispielsweise die
Unterscheidung zwischen Fahrer und Mitfahrer erweitert worden [5]. Auch eine Differen-
zierung der Pkw, beispielsweise nach Größe oder Antriebsart, findet erst in neuerer Zeit
Eingang in die Modelle. Insbesondere für die Integration autonomer Fahrzeuge in die Be-
trachtung offenbaren sich hier große Herausforderungen – denn schließlich gilt es, „das
Auto“ näher zu betrachten und eine deutliche Unterscheidung zwischen Fahren und Gefah-
renwerden, dem eigenen und einem geliehenen Pkw oder auch einem Taxi zu ermöglichen.
12.4 Welche Wirkung könnte die Einführung autonomer Fahrzeuge
auf unser Verkehrsmittelwahlverhalten zeigen?
Bevor der Frage nachgegangen wird, wie autonome Fahrzeuge in der Verkehrsmodellie-
rung Berücksichtigung finden können, muss geklärt werden, wie sich die Einführung dieser
Systeme auf die individuelle tägliche Mobilität auswirken könnte. Die potenzielle Nutzung
autonomer Fahrzeuge oder auch neuer Mobilitätsangebote ist i. A. stark abhängig von ihren
konkreten Einsatzmöglichkeiten und den Vorteilen, die sich im Vergleich zu momentan
bereits verfügbaren Verkehrsmitteln bieten würden – von Faktoren also, die für die Bewer-
tung der autonomen Fahrzeuge im Vergleich mit anderen Modi bei der Verkehrsmittelwahl
relevant sind und somit – sofern möglich – Eingang in die Modelle finden sollten. Für die
in Kap. 2 vorrangig unter technischen oder rechtlichen Gesichtspunkten beschriebenen
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung