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Autonome Fahrzeuge und autonomes Fahren aus Sicht der
Nachfragemodellierung248
Anwendungsfälle werden daher in diesem Abschnitt zunächst mögliche Nutzungsvarianten
erörtert. Im Vordergrund stehen dabei Fragen nach einer Typisierung der voraussichtlichen
Nutzer, der Wege- und Einsatzwecke, für die sich entsprechende Systeme besonders eignen,
der Raum- oder Kontexteigenschaften, die eine Nutzung fördern, den relevanten Verkehrs-
mitteleigenschaften sowie der Verkehrsmittelsubstitution, die sich als Resultat ergeben
könnte. Der Fokus der Ausführungen wird auf diejenigen Eigenschaften gelegt, die sich für
eine Abbildung in den Verkehrsmodellen eignen.
12.4.1 Der Autobahnpilot: ein Pkw mit dem besonderen Etwas
für Ausnahmesituationen?
Der Autobahnpilot stellt möglicherweise ein Einstiegsszenario in die Automatisierung dar,
da die Fahraufgabe außer in „Ausnahmesituationen“ bestehen bleibt. Die zwei Haupt-
aspekte des Autobahnpiloten aus der Nutzerperspektive stellen die Entlastung des Fahrers
sowie die Möglichkeit, die Zeit während des Fahrens anders verbringen zu können, dar.
Der Einsatz des Autobahnpiloten wird nur auf spezifischen Strecken möglich sein und
damit vorrangig auf Überlandfahrten. Aus diesem Grund kann angenommen werden, dass
er sich vor allem bei Fahrten mit längerer Dauer positiv auf die Wahrnehmung und Bewer-
tung des Pkws auswirken würde. Die Nutzerbefragung von Continental zeigt des Weiteren
deutlich, dass die Abgabe der Fahraufgabe insbesondere bei stressbelasteten oder als lästig
empfundenen Situationen wie Staus oder Baustellen positiv konnotiert ist [8]. Nicht selten
wird damit aber auch eine Einschränkung des Fahrvergnügens verbunden [1].
Die Möglichkeit einer veränderten, zumeist mit erhöhter Sinnhaftigkeit oder Produkti-
vität assoziierten Zeitnutzung ist nach der verbesserten Verkehrssicherheit der wohl meist-
genannte Vorteil autonomer Fahrzeuge (s. beispielsweise [23], [26], [30], [32]). Insbeson-
dere bei beruflich oder privat stark eingebundenen Personen, bei Fahrten mit Kindern oder
in Begleitung könnte dies zu einer positiveren Bewertung der Reisezeit führen – einem der
wichtigsten Faktoren bei der Verkehrsmittelwahl in Modellen. Letztendlich könnte dies
dazu führen, dass längere Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere für Per-
sonen, die diese Zeit aktiv nutzen, relativ betrachtet unattraktiver werden und der Pkw als
bequemer wahrgenommene Alternative an Zuspruch gewinnt. Die Bedeutung der alter-
nativen Zeitnutzung ist jedoch schwer zu bemessen: In der Continental-Studie gab z. B. nur
rund ein Drittel der Befragten die Möglichkeit einer alternativen Zeitnutzung als attraktiv
an [8].
12.4.2 Valet-Parken – nie mehr einen Parkplatz suchen?
Beim Valet-Parken handelt es sich quasi um einen nur geringfügig modifizierten „norma-
len“ Pkw, bei dem die Fahraufgabe unverändert bestehen bleibt. Nur das Abstellen und das
Vorfahren bei Nutzungswunsch übernimmt das Fahrzeug selbstständig innerhalb eines
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