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Autonome Fahrzeuge und autonomes Fahren aus Sicht der
Nachfragemodellierung258
und seiner Fahrt abhängigen Übergänge vom Fahrer zum Quasi-Beifahrer beim Autobahn-
piloten und beim Vollautomaten stellen hier eine besondere Herausforderung dar.
Die Reisezeit ist einer der einflussreichsten Treiber der Verkehrsmittelwahl in bestehen-
den Verkehrsmodellen. Bei der Modellierung des öffentlichen Verkehrs wird häufig zwi-
schen der Onboard- oder eigentlichen Reisezeit, der Wartezeit sowie den Zugangs- und
Abgangszeiten unterschieden, sodass auch unterschiedliche Bewertungen der Zeitkompo-
nenten möglich sind. Bisher erfolgt jedoch weder hier noch bei anderen Verkehrsmitteln
eine vertiefte Betrachtung der im Fahrzeug verbrachten Zeit. Die mit der Einführung auto-
nomer Fahrzeuge verbundenen Erwartungen, die Zeit im Fahrzeug subjektiv sinnhafter
verbringen zu können, zeigt daher deutlich die Notwendigkeit einer Unterscheidung in den
Modellen auf. Die Distanz bzw. Dauer der Fahrt und damit auch der potenziell nutzbare
Fahrtenanteil rücken hier ebenso in den Fokus wie die Frage, welche alternativen Be-
tätigungen angestrebt werden oder mit wem die Fahrt durchgeführt wird.
Doch nicht nur die Zeit im Fahrzeug ist Änderungen unterworfen, besteht doch die
auffälligste vom Valet-Parken bedingte Änderung in einer Verringerung des Nutzungsauf-
wandes am Anfang und am Ende der Fahrt. Gleiches gilt für das Vehicle-on-Demand. Auch
hier zeigt sich die Notwendigkeit, die in den Modellen oftmals sehr pauschale Betrachtung
der mit der Wahl eines Verkehrsmittels einhergehenden Reisezeit weiter zu differenzieren.
Als konkrete Beispiele seien hier die Wartezeiten auf ein Taxi oder die Zugangszeiten zum
eigenen oder geliehenen Pkw genannt.
Ein Aspekt, der sich in vereinfachter Form durch eine Modifikation der Reisezeiten
vergleichsweise leicht in die Modelle integrieren lässt, besteht in der Verkürzung der Reise-
zeiten, die sich direkt aus dem Fehlen von Staus oder störenden Parksuchverkehren ergeben
könnte. Problematischer ist die zumeist fehlende Abbildung der Wirkung einer Verlässlich-
keitssteigerung der zeitlichen Prognosen von Reisezeiten auf die Bewertung des Pkw
als Verkehrsmittelalternative. Die Komfortsteigerung, die sich aus neuen Funktionen wie
dem Valet-Parken oder dem Autobahnpiloten ergeben, der eventuelle Sicherheitsanstieg
oder auch die erhöhte Flexibilität der Fahrzeugausstattung sind weitere Beispiele relevanter
subjektiver Kriterien, die bei der bisherigen Betrachtung der Verkehrsmittelwahl kaum
Berücksichtigung finden. Die Problematik, subjektive Aspekte zu erfassen, in ihrer Wirkung
zu quantifizieren und bei der Verkehrsmittelwahl als Faktoren zu berücksichtigen, gilt
jedoch nicht nur für die Eigenschaften der Verkehrsmittel, sondern mindestens ebenso für
die Beschreibung der Nutzer. Insbesondere der empfundene Fahrspaß, das Empfinden des
eigenen Fahrvermögens, die Bereitschaft zur Abgabe der Fahrfunktion, die Aversion gegen-
über einem etwaigen Kontrollverlust oder das Vertrauen in die Technik sind Bei
spiele von
Faktoren, die gerade bei autonomen Fahrzeugen verstärkte Relevanz bei der Beurteilung
erlangen (s. Kap. 29) und somit vermehrt in den Fokus der Modellierung rücken sollten.
Die Identifikation von Nutzergruppen, die sich hinsichtlich ihrer Bewertung verschie-
dener Verkehrsmitteloptionen unterscheiden, ist eines der wichtigsten Fundamente zur
Beschreibung der Personen in den Modellen. Sowohl die literaturbasierten Wirkungs-
analysen als auch die Ergebnisse der Befragung weisen deutlich darauf hin, dass sich die
realen oder wahrgenommenen Vorteile autonomer Fahrzeuge nicht nur je nach Szenario,
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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