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Autonome Fahrzeuge und autonomes Fahren aus Sicht der
Nachfragemodellierung260
möglicher Zubringerdienst und somit als Ergänzung zum Angebot des öffentlichen Ver-
kehrs gesehen. Die Aufgabe der Modellierung ist es somit, sinnvolle Umsetzungskonzepte
und Verfügbarkeiten zu antizipieren und in die Abbildung des intermodalen Verkehrsange-
botes zu integrieren. Weitere erstrebenswerte Verbesserungen bei der Abbildung des Ver-
kehrsangebotes betreffen die Abbildung der Parksuchverkehre sowie die Identifikation der
Streckenabschnitte, die vorrangig für den Einsatz entsprechender Automatisierungen ge-
eignet sind.
Insbesondere das Nutzungsszenario des Vehicle-on-Demand macht deutlich, welche
grundsätzlichen Auswirkungen autonome Fahrzeuge auf unseren Fahrzeugbesitz und damit
unsere alltäglichen Mobilitätsentscheidungen haben könnten. Der Abbildung und Quanti-
fizierung kausaler Zusammenhänge zwischen dem Besitz oder der Zugangsoption zu einem
Fahrzeug und seinen wichtigsten Eigenschaften – beispielsweise Ausstattung mit Valet-
Parken oder einer vollautomatischen Fahrfunktion – einerseits und den angebotsseitigen,
räumlichen und soziodemografischen Eigenschaften des jeweiligen Haushaltes anderer-
seits kommt damit eine verstärkte Bedeutung zu. Zwar wird die klassische Herangehens-
weise, lediglich den Besitz eines Durchschnittsautos als Eingangsgröße in die Modelle zu
berücksichtigen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Emissionsberechnung mehr
und mehr durch vorgelagerte Modelle abgelöst, indem Antriebsart, Größenklasse, Preis-
segment, Anzahl der Sitzplätze oder Transportmöglichkeiten der in den Haushalten verfüg-
baren Pkw einbezogen werden. Unterstützungsfunktionen wie das Valet-Parken spielen
dabei aber ebenso wenig eine Rolle wie die Alternative einer Carsharing-Mitgliedschaft
oder die Abschaffung eines Pkw aufgrund einer guten Versorgung mit Verkehrsmittelalter-
nativen. Doch nicht nur die Frage, wer den Besitz eines eigenen Autos durch das Leihen
oder das Gefahrenwerden substituieren könnte, bleibt so mit den herkömmlichen Mitteln
der Modellierung unbeantwortet. Ist davon auszugehen, dass insbesondere die Kombinati-
on aus eigenem Pkw und verschiedenen Vehicles-on-Demand eine flexible Anpassung des
eingesetzten Fahrzeuges auf die jeweilige Nutzungssituation fördert, so zeigt sich auch hier
dringlicher Bedarf bei der Erhebung entsprechender Daten, ihrer Analyse und der nachfol-
genden Erweiterung der Modellierung.
12.7 Zusammenfassung und Ausblick
Es wird allgemein erwartet, dass autonome Fahrzeuge unterschiedlicher Ausprägung in
naher Zukunft Teil unserer Alltagsmobilität sein werden. Die Integration entsprechender
Verkehrsangebote in die Verkehrsmodellierung, eines der wichtigsten Instrumente der
Planungspraxis, stellt daher gleichermaßen Notwendigkeit und Herausforderung dar: Be-
stehende empirische Arbeiten zu den erwarteten Auswirkungen zeigen sich bisher vorran-
gig technikorientiert; gleichzeitig ist der Blick in die Zukunft naturgemäß unsicherheits-
behaftet und die Wirkungsweise neuer Technologien nur schwer abzuschätzen.
Betrachtet man die einzelnen Nutzungsszenarien hinsichtlich ihrer möglichen Wirkungen
auf die Verkehrsmittelwahl, so zeigt sich deutlich die Notwendigkeit der Differenzierung.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung