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Auswirkungen des autonomen Fahrens auf das
Fahrzeugkonzept266
13.1 Einleitung
Nach der Erfindung des Automobils durch Carl Benz im Jahr 1886 haben sich zum Teil
sehr unterschiedliche Fahrzeugkonzepte gebildet. Einiges ist als konsequente Weiterent-
wicklung und Ablösung vorheriger Konzepte zu sehen, wie die Abkehr vom Kutschen-
Design und die Integration der Räder und des Fahrwerks unterhalb der Karosserie oder die
selbsttragende Karosserie. Als Haupteinfluss auf das Fahrzeugkonzept kann der Einsatz-
zweck betrachtet werden, der besonders deutlich wird, wenn Nutzkraftfahrzeuge mit ein-
bezogen werden. Aber auch im Bereich der Personenkraftwagen hat sich eine Vielfalt
entwickelt, von Lifestyle geprägten Cabrios und SUV bis hin zu Allzweckfahrzeugen mit
Stufen- und Fließheck sowie Kombis und (Mini)Vans. Der Nutzungszweck steht bei Klein-
lieferwagen, Kleinbussen und auf anderen Märkten bei den sogenannten Light-Trucks noch
stärker im Vordergrund. Unter der Haube haben sich die Antriebskonzepte nach einer
Dominanz von Verbrennungskraftmaschinen, zumeist in Form von längseingebauten
Motoren mit Hinterradantrieb, in den letzten Dekaden zu einem immer größeren Teil in
Richtung quereingebaute Frontmotoren mit Vorderradantrieb verschoben. Weiterführend
stellt die Elektrifizierung des Antriebsstrangs einen aktuellen Trend dar, der durch CO2-
Vorgaben, geringere Geräuschbelastung und weitere Vorteile zukunftsfähig erscheint. Trotz
aller Verschiebungen der Anteile ist ein „Aussterben“ bestehender Antriebskonzepte nicht
zu erwarten, da die Divergenz der Optimierungsziele unterschiedlicher Marktsegmente
diese Diversifizierung der Konzepte weiterhin tragen wird. So stellt ein ländlicher Bereich
in den USA gravierend andere Anforderungen an den Antrieb als eine chinesische Groß-
stadt.
Zu der auf dem Markt befindlichen Fahrzeugmodellvielfalt gesellt sich die Konzeptviel-
falt der „Show Cars“, die auf Automobilmessen präsentiert wird. Nur in wenigen Fällen
spielen Assistenzsysteme und Teilautomatisierung bei den bekannten Fahrzeugen eine
konzeptändernde Rolle. Die in den letzten Jahren erkennbare Tendenz zur geringeren Über-
sichtlichkeit der Fahrzeuge, die durch Stylinganforderungen und/oder Anforderungen an
die Steifigkeit der Karosserie begründet wird, fördert jedoch den Einsatz von kompensie-
renden Systemen wie Ultraschall-Einparkhilfe, Rückfahrkamera oder Surround-View-
Darstellung. Zumeist besitzen Fahrerassistenzsysteme aber keine konzeptändernde Rolle,
da nur wenige in der Baureihen-Serienausstattung enthalten sind. Somit verbleibt für den
Fahrzeughersteller die Anforderung, das Fahrzeug so zu entwickeln, dass auch nicht aus-
gerüstete Fahrzeuge sicher durch den Fahrer geführt werden können. Da zudem darauf zu
achten ist, dass bei teilautomatisiertem Fahren die Übernahmebereitschaft und -fähigkeit
[1] beim Fahrer vorausgesetzt wird, ist nicht mit großen Änderungen gegenüber herkömm-
lichen Fahrzeugen zu rechnen. Lediglich Konzepte, die eine Übernahme begünstigen, wie
z. B. neue Mensch-Maschine-Schnittstellen für die Beauftragung einer teilautomatischen
Funktion, könnten Einzug halten [2]. Frühere, aber auch noch aktuelle Drive-by-Wire-
Konzepte mit alternativen Bedienelementen (vgl. [3]) beschränkten sich auf den Ersatz
der Lenkrad- und Pedalfunktion, ohne eine Automatisierung höherer Fahrzeugführungs-
ebenen, die zum automatisierten Fahren unverzichtbar sind, konzeptionell vorzusehen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung