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27313.4
Vehicle-on-Demand
13.4.1 Auswirkungen auf das Karosseriekonzept
Bei dem nahezu alle Einsatzbereiche umfassenden Use-Case mit Fahrgeschwindigkeiten
bis zu 120 km/h muss die Karosserie den Insassen Wetter- und Aufprallschutz bieten, der
dem heutiger Automobile entspricht. Damit sind maßgebliche Konzepteinschränkungen
verbunden. Ein geschlossener Fahrgastraum, möglicherweise mit Cabriodach, ist aus Wet-
terschutzgründen nötig. Zusätzlich ist für die Passagiere des Fahrzeugs eine sichere Hülle
mit Rückhaltemöglichkeit vorzusehen, um die gleiche passive Sicherheit wie in heutigen
Fahrzeugen mit Sitzgurt und Airbag zu gewährleisten. Diese Forderung besteht, solange
keine vollständige, unfallfreie Betriebssicherheit des Straßenverkehrs gegeben ist, was
zumindest im Mischverkehr mit Driver-only-Fahrzeugen derzeit nicht absehbar ist. Die
Form des Fahrzeugs kann abhängig von Zweck und Zielgruppe heutigen Automobilen
entsprechen, womit eine große Vielzahl von Varianten möglich ist. Die größte Raumöko-
nomie bieten One-Box-Cars, die einem Quader gemäß ohne Absenkungen im vorderen
oder hinteren Fahrzeugbereich auskommen. Natürlich werden sich die Designer bemühen,
die jeweils gewählte Form so zu präsentieren, dass die Kundschaft passend angesprochen
wird. Allerdings ist bei der Vielzahl der Einsatzmöglichkeiten eines Vehicle-on-Demand-
Konzepts noch weitgehend offen, worauf das Styling zielen wird, insbesondere wie viel
individuelle Emotionalität bedient werden muss. Ein Blick in die Historie der Straßenfahr-
zeuge zeigt, dass für nahezu jedes Karosseriekonzept Beispiele existieren, die als ästhetisch
gelungen oder misslungen angesehen werden. Daher wird hier allein aus der Formgebung
kein Trend vorhergesagt. Aber allen Fahrzeugen, deren Nutzungsbereich höhere Geschwin-
digkeiten als die hier angegebenen 120 km/h einschließt, werden aerodynamisch nach dem
Stand der Technik geformt sein und allein schon deshalb Abrundungen sowie aerodyna-
misch bedingte Verjüngungen und Abrisskanten aufweisen müssen [10].
Die Hülle um die Passagiere hat neben der Schutzfunktion auch die Kopplung an die
Umwelt zu übernehmen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit der vollständigen Entkopp-
lung, da keine Fahrersicht gewährleistet werden muss. Dies ermöglicht die von visuellen
oder akustischen Störungen nahezu freie und private Nutzung der Kabine zu Unterhal-
tungs- und Erholungszwecken. Allerdings können die fahrdynamischen Einflüsse nur mit
Einschränkungen isoliert werden, wie in Abschn. 13.2.3 und Abschn. 13.4.3 dargelegt wird.
Es bleibt immer eine Herausforderung, die Stimmigkeit zwischen den Sinneseindrücken
zu garantieren, da ansonsten Unwohlsein bis hin zur Übelkeit folgt, die kaum zur Akzeptanz
solcher Isolationskonzepte führen wird. Abbildung 13.5 zeigt auf, wie eine solche vollstän-
dige Entkopplung während der Fahrt im öffentlichen Straßenverkehr aussehen würde.
Die Spanne der alternativen Beschäftigungen, die durch eine solche Entkopplung
ermöglicht würde, ist groß und reicht vom Lesen in erholsamer „Umgebung“ (rechtes
Fahrzeug) bis hin zu spannender Unterhaltung auf Rennstrecken (linkes Fahrzeug). Auch
für die künstliche Darstellung der Umgebung bleibt die Herausforderung bestehen, die
Stimmigkeit zwischen den Sinneseindrücken zu gewährleisten. Eine Wahlmöglichkeit über
den Grad der Entkopplung über im einfachen Fall mechanisch betätigte Abdeckungen
(Jalousien) oder über Hightech-Lösungen wie elektrochrome Scheiben erleichtert die
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