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27913.4
Vehicle-on-Demand
13.4.3.2 Lenkkonzepte
Heute dominiert bei Automobilen die Achsschenkellenkung an der Vorderachse, und es
spricht wenig dagegen, diese auch für das Vehicle-on-Demand zu verwenden. Allerdings
können alternative Lenkkonzepte durch das autonome Fahren aufgewertet werden. Dazu
gehört zum einen das Kraftlenken, also über seitlich unterschiedliche Kräfte bis hin zu
unterschiedlicher Kraftrichtung, z. B. für Linkseindrehen negative Antriebskraft links und
positive rechts. Dieses Konzept ist beim einachsigen Zweirad das Mittel der Wahl. Für drei
oder vier Räder verursacht das Kraftlenken erhebliche Verzwängungen, sofern nicht ein
oder mehrere zusätzliche Drehfreiheitsgrade für die Räder ein Mitlenken unterstützen.
Auf der anderen Seite steht die mehrachsige Lenkung, oft als Vierrad- oder Allradlenkung
bezeichnet. Obwohl grundsätzlich im Automobilbau bekannt, sind nur sehr wenige damit
ausgestattete Fahrzeuge erhältlich. Eine Nutzeneinschränkung liegt in der Kompromissaus-
legung heutiger Allradlenkungsfahrzeuge, die ein Fahrzeugentwickler durchführen muss.
Es gibt für den Fahrer keinen Zugriff auf die Hinterradlenkung. Sie ist (elektronisch) an die
Vorderradlenkung gekoppelt. In einer Kompromissabstimmung unterstützt sie bei aktuellen
Fahrzeugen im unteren Geschwindigkeitsbereich (ๅ 100 km/h) die Fahrzeugagilität mit
gegensinnigen Lenkwinkeln und bei höheren (ๆ 100 km/h) die Stabilität durch gleichsinni-
ge Lenkwinkel. Darüber hinaus erfolgen Lenkkorrekturen im fahrdynamischen Grenzbe-
reich. Eine autonome Trajektorienplanung könnte diesen Freiheitsgrad unabhängig von der
Geschwindigkeit nutzen und entsprechend der geplanten Manöver einsetzen. So wäre ein
Fahrstreifenwechsel auch ohne Gieren, also ohne Drehen um die Hochachse, möglich, wo-
durch die Rückwirkung auf die Passagiere reduziert werden kann. Beim Einparken lassen
sich Manöver durchführen, die mit einer im üblichen Rahmen ausgelegten Allradlenkung
nicht möglich sind, geschweige denn mit einer Standard-Vorderachslenkung.
Eine extreme Lösung wäre eine radindividuelle Allradlenkung, die zwar die Winkel
aller Räder optiman stellen könnte, aber dafür noch aufwendigere Stellersysteme benötigt.
Der Gewinn ist in Bezug auf die Anwendung als Vehicle-on-Demand gering. Er beschränkt
sich auf eine eher für den Rennbetrieb relevante Verschiebung der Fahrdynamikgrenzen
um wenige Prozent und die Reduktion des Kurvenwiderstands durch verzwängungsfreie
Radführung.
13.4.4 Auswirkungen auf den Innenraum und die Mensch-Maschine-
Schnittstelle
Wird das Vehicle-on-Demand für den Personentransport eingesetzt, ergeben sich die in
Tab. 13.1 genannten Möglichkeiten der Art der Unterbringung, deren Ausrichtung und
Anordnung. Grundsätzlich spricht hier nichts gegen die heute übliche Art der vor- und
nebeneinander angeordneten, nach vorne gerichteten Sitze. Soweit es der Insassenschutz
zulässt, kann auch davon abgewichen werden, und insbesondere sollte für die Erholung die
Liegeposition offeriert werden, wobei die Ausrichtung offen bleibt, z. B. als Sitzbank in
Querrichtung oder als Liegesitz in Längsrichtung.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung