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Verkehrliche Wirkung autonomer
Fahrzeuge332
16.1 Einleitung
Autonome Fahrzeuge nehmen selbstständig am Verkehr teil, ohne dass sie den Menschen
als Überwacher oder Entscheider benötigen. Ihren Fahrgästen bieten autonome Fahrzeuge
einen Komfortgewinn, da keine Fahraufgaben geleistet werden müssen. Einem Personen-
kreis, der bislang aufgrund von Mobilitätseinschränkungen von der Teilhabe am öffent-
lichen Leben teilweise oder ganz ausgeschlossen ist, bieten autonome Fahrzeuge neue
Chancen für dessen Mobilität.
Neben den Vorteilen, die autonome Fahrzeuge für deren Nutzer bieten mögen, ist der
gesellschaftliche Nutzen, der mit ihrer Verbreitung verbunden ist, von Interesse. Denn es
ist offensichtlich, dass autonomes Fahren zu keinen Einbußen bei der Sicherheit oder der
Effizienz des Straßenverkehrs führen darf, sondern diese verbessern soll. Dieser Beitrag
untersucht in diesem Zusammenhang die verkehrlichen Wirkungen autonomer Fahrzeuge
hinsichtlich der Effizienz, mit der die bestehende Infrastruktur genutzt werden könnte.
Die Effizienz von Verkehrsanlagen wird durch ihre Kapazität bestimmt. Auf den Fern-
straßen ist die Kapazität im Wesentlichen durch den maximal möglichen Verkehrsfluss auf
den Streckenabschnitten sowie die maximal möglichen Verflechtungs- und Ein- bzw. Aus-
fädelungsverkehrsstärken an den planfreien Knotenpunkten bestimmt. Im Stadtstraßennetz
und auf Landstraßen mit Ortsdurchfahrten sind die Kapazitäten an den Knotenpunkten
maßgebend und somit meist von den Lichtsignalanlagen abhängig. Während die Kapazität
an Lichtsignalanlagen von den Zeitbedarfswerten bestimmt wird, die die einzelnen Fahr-
zeuge benötigen, um in der anfahrenden Kolonne den Knotenpunkt zu passieren, werden
die Kapazitäten von Autobahnabschnitten durch die Instabilität bestimmt, die sich bei
hohen Verkehrsstärken einstellt und zum Stau führt.
Für das Verständnis der Überlegungen zu den verkehrlichen Wirkungen autonomer Fahr-
zeuge werden in diesem Beitrag zunächst die Kennwerte des Verkehrsablaufs und ihre Zusam-
menhänge erläutert. Auf diesen Grundlagen aufbauend werden dann Überlegungen zum Ein-
fluss autonomer Fahrzeuge auf die Kapazitäten von freien Strecken im Zuge von Fernstraßen
sowie von Knotenpunkten mit Lichtsignalanlagen abgeleitet. Die Auswirkungen autonomer
Fahrzeuge auf die Verbindungsqualitäten von Fahrten, die über unterschiedliche Infrastruktur-
elemente verlaufen, können mit diesen Überlegungen nicht ausreichend beschrieben werden.
Dennoch liefern die Betrachtungen eine erste Einschätzung, welche Optimierungspotenziale
für die Effizienz des Verkehrsablaufs mit autonomen Fahrzeugen verbunden sein könnten.
16.2 Charakteristika des Verkehrsflusses
16.2.1 Kennwerte des Verkehrsablaufs
Zur mathematischen Abbildung des Verkehrsablaufs wird von einer Abstraktion des Wege-
netzes, der Fahrzeuge, der Fahrer sowie deren Verhalten, d. h. von vereinfachenden Annah-
men ausgegangen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung