Seite - (000350) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000350) -
Text der Seite - (000350) -
Verkehrliche Wirkung autonomer
Fahrzeuge338
2000 Kfz/h liegen können. Ferner zeigen diese Untersuchungen, dass es keinen exakten
Wert gibt, bis zu dem der Verkehrsfluss immer stabil verläuft und genau dann zusammen-
bricht, wenn dieser Wert überschritten wird. Vielmehr ist zu beobachten, dass die Kapazität
eine Zufallsgröße darstellt, die durch eine Verteilung dargestellt werden kann. Unter-
suchungen [1] an vielen Streckenabschnitten zeigen, dass Kapazitäten von Autobahnen
typischerweise Weibull-verteilt sind und z. B. für dreistreifige Richtungsfahrbahnen eine
Standardabweichung von ca. 600 Kfz/h (gemessen in Fünf-Minuten-Intervallen) und damit
eine unerwartet breite Variabilität aufweisen.
Der Erwartungswert der Kapazität entspricht in dieser stochastischen Sichtweise einer
Nennkapazität und stellt das 50 %-Perzentil der Verkehrsstärkewerte dar, die Ausgangs-
punkt eines Zusammenbruchs waren. Je näher die Verkehrsbelastung an dieser Nenn-
kapazität bzw. darüber liegt, umso höher wird die Wahrscheinlichkeit des Zusammenbruchs
und eines Staus.
Der Zusammenbruch führt in allen Fällen über den Zustand des synchronisierten Ver-
kehrs zum Stau, und auch die Erholung verläuft über den synchronisierten Verkehr zurück
zu einem stabilen Verkehrsablauf mit höheren Geschwindigkeiten (s. Abb. 16.6). Die Ver-
kehrsstärke geht in den Übergängen zum synchronisierten bzw. zum gestauten Verkehr
jeweils zurück, und eine Erholung erfolgt auf einem niedrigeren Niveau. Dieser Effekt des
capacity drop wird dadurch verursacht, dass die Fahrer beim Verlassen der stromabwärti-
gen Staufront einen größeren Abstand einhalten als zuvor im fließenden Verkehr vor dem
Zusammenbruch.
Nach Hall und Agyemang-Duah [6] liegt dieser capacity drop bei 5–6 %, Unter-
suchungen von Brilon und Ponzlet [10] auf deutschen Autobahnen ergaben Werte zwischen
4 und 12 %.
Abb. 16.5 Messwerte für Fünf-Minuten-Intervalle im q-v-Diagramm und die zugehörige Kapa-
zitätsverteilung für einen zweistreifigen Autobahnquerschnitt [1]
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung