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Verkehrliche Wirkung autonomer
Fahrzeuge348
Verkehrsdichte sind jedoch nur im rein autonomen Verkehr möglich. Bereits ein von
einem Menschen gelenktes Fahrzeug würde in der Kolonne zu langsameren Ge-
schwindigkeiten führen und den Kapazitätsgewinn reduzieren.
16.4.2 Infrastruktur
Die entwickelten Modelle für den Verkehrsfluss und die Kapazität unter Berücksichtigung
eines Anteils autonomer Fahrzeuge zeigen, dass die Kapazität mit dem Anteil autonomer
Fahrzeuge überproportional anwächst. Dabei ist zu bemerken, dass die Verkürzung der
Zeitlücken schon ab dem ersten autonomen Fahrzeug wirkt, die Steigerung der Geschwin-
digkeit bei hohen Dichten hingegen nur für rein autonomen Verkehr und damit bei höheren
Ausstattungsraten möglich sein wird.
Die Einführung autonomer Fahrzeuge wird nach Meinung des Autors nur über deren
Fähigkeit gelingen, sich im gemischten Verkehr sicher zu bewegen, da reservierte Bewe-
gungsflächen gerade bei geringen Ausstattungsraten weder ökonomisch noch sozial zu
vertreten wären. Sobald jedoch eine ausreichende Anzahl Fahrzeuge mit autonomen Fähig-
keiten im Verkehr sein werden, wird es für die Effizienz des Verkehrs sehr vorteilhaft sein,
autonomes Fahren auf reservierten Fahrstreifen zu konzentrieren. Durch eine Separierung
kann wegen des nicht-linearen Verlaufs der Kapazität über dem Anteil autonomer Fahrzeu-
ge der Nutzen maximiert werden. In Verbindung mit speziell gewidmeten Fahrstreifen
könnte zudem die Kolonnengeschwindigkeit selbst bei größerer Verkehrsnachfrage erhöht
werden, was zu weiteren deutlichen Kapazitätsgewinnen führen würde. Dies ist bei
gemischtem Verkehr nicht möglich, da selbst bei wenigen von Menschen gelenkten Fahr-
zeugen diese die Geschwindigkeit vorgeben würden.
Im Rahmen einer ersten Auseinandersetzung mit dem weitreichenden Thema wurden
bewusst in diesem Beitrag ausschließlich die verkehrlichen Wirkungen autonomer Fahr-
zeuge auf Streckenabschnitten von Autobahnen und – repräsentativ für den Stadtverkehr
– an Knotenpunkten mit Lichtsignalanlage untersucht. Diese beiden Fahrsituationen be-
stimmen zu einem hohen Anteil die Qualität des Verkehrsablaufs. Daneben gibt es jedoch
eine Reihe weiterer relevanter Fahrsituationen, die auf die Kapazität des Gesamtsystems
einen signifikanten Einfluss haben können:
1. Außerorts sind dies an den Knotenpunkten der Fernstraßen die Einfädel-, Ausfädel-
und Verflechtungsmanöver. In diesem Zusammenhang sind einerseits die technischen
Lösungen, die sich bereits heute mit Assistenzfunktionen wie den Einfädelungsassis-
tenten abzeichnen, in ihrer weiteren Entwicklung insbesondere in Hinsicht auf die
Möglichkeiten der maschinellen Kooperation vorauszudenken. Andererseits sind
Lösungsansätze für die baulichen und regulatorischen Anpassungen der Verkehrs-
anlagen zu entwickeln.
So erscheint beispielsweise ein Szenario interessant, in dem der autonome Verkehr
zwischen den Anschlussstellen der Autobahnen auf separaten Fahrstreifen geführt und
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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