Seite - (000365) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000365) -
Text der Seite - (000365) -
Sicherheitspotenzial automatisierter Fahrzeuge: Erkenntnisse aus der
Unfallforschung352
17.1 Einleitung
Die fortschreitende Automatisierung von Fahrzeugen verspricht neue Möglichkeiten, die
zukünftigen gesellschaftlichen Anforderungen an die Mobilität besser zu erfüllen. In Teil-
bereichen werden neue erweiterte Konzepte für die Interaktion mit Maschinen [1] entste-
hen. Voraussetzung dafür ist die technische Weiterentwicklung von Assistenzsystemen mit
leistungsfähigeren Sensor- und Informationstechnologien, die eine kontinuierliche Auto-
matisierung von Fahraufgaben in der Fahrzeugführung bis hin zu selbstfahrenden Fahr-
zeugen möglich machen [2].
17.1.1 Motivation
Im Sinne der fortschreitenden Automatisierung bieten Automobilhersteller bereits seit der
Jahrtausendwende aktiv lenkende Assistenzsysteme (Active Lane Keeping Assistance
Systems – LKAS) in Kombination mit einem Abstandsregeltempomaten für Serien-
fahrzeuge an. Die kombinierte Funktionalität stand beispielsweise am japanischen Markt
für die Rechtslenkerfahrzeuge Nissan Cima (2001) und Honda Inspire (2003) zur Ver-
fügung. Bei der Nutzung beider Assistenten war ein kurzzeitiges teilautomatisiertes Fahren
(s. Abschnitt 17.1.2) bis zu 20 Sekunden unter Aufsicht des Fahrers möglich (Testfahrten
des Verfassers im Jahr 2003). Seit 2008 verkaufen auch deutsche Hersteller, beginnend mit
dem VW Passat CC, aktive Lenkassistenten optional in ausgewählten Modellen [3].
Die Chancen für mehr Verkehrssicherheit steigen durch eine zunehmende Automatisie-
rung von Fahrzeugen. Eine weitere Marktdurchdringung bereits serienmäßiger sicherheits-
erhöhender Fahrerassistenzsysteme wird zu einer weiteren Reduktion von Verkehrsun-
fällen führen (S. 361, Abschnitt 17.4.1).
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verunglückten im Jahr 2013 bei Verkehrs-
unfällen in Deutschland 3339 Menschen tödlich [4]. Somit verlieren allein im deutschen
Straßenverkehr durchschnittlich neun Menschen pro Tag ihr Leben. Da runter sind Unfälle,
die künftig durch automatisierte Fahrzeuge vermeidbar wären. Aus Unfalldaten kann ein
Sicherheitspotenzial abgeleitet werden. Die in diesem Beitrag genannten Beispiele
zeigen Möglichkeiten und Grenzen der Aus wertung von Unfalldaten auf. Mit einem Sicher-
17.5 Sicherheitspotenzial versus Risiken zunehmender Automatisierung . . . . . . . . . . . . . 368
17.5.1 Menschliche und technische Fehler bei Vollautomatisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . 368
17.5.2 Sicherheitspotenzial – Leistungsfähigkeit von Mensch und Maschine . . . . . . . . . 369
17.5.3 Sicherheitspotenzial vollautomatisierter Fahrzeuge
bei unabwendbaren Ereignissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372
17.6 Fazit und Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 374
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung