Seite - (000385) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Bild der Seite - (000385) -
Text der Seite - (000385) -
Sicherheitspotenzial automatisierter Fahrzeuge: Erkenntnisse aus der
Unfallforschung372
tolerables Maß an, ist mit Fehlern innerhalb der Führung des automatisierten Fahrzeugs zu
rechnen. Zur Voraussagefähigkeit sind bislang lediglich Trendaussagen möglich.
Die heute bekannten Methoden zur Schätzung von Zustands- und Existenzunsicherheiten
erlauben zwar eine aktuelle Einschätzung der Leistungsfähigkeit der maschinellen Wahr-
nehmung, eine Degeneration der Leistungsfähigkeit einzelner Sensoren oder gar ein Ausfall
von Komponenten kann aber prinzipbedingt nicht vorhergesagt werden (s. Kap. 20, S. 432).
17.5.3 Sicherheitspotenzial vollautomatisierter Fahrzeuge
bei unabwendbaren Ereignissen
Zusätzlich sind für Betrachtungen des Sicherheitspotenzials vollautomatisierter Fahrzeuge
die fortbestehenden Risiken im Bereich komplexer Verkehrssituationen bzw. heute bekannter
unabwendbarer Ereignisse zu berücksichtigen. So treten Unfallgefahren an unübersichtlichen
Knotenpunkten oder hinter Sichtverdeckungen auf. Bei einer Einzelfall untersuchung im
Rahmen einer Dissertation an der Universität Regensburg wurden Sichtverdeckungen bei
einem Anteil von ca. 19 Prozent aller Fälle als Mitursache identifiziert [40]. Beispiele hierfür
sind Bäume, Sträucher, Hecken oder hohes Gras. Von einer Ver
deckung spricht man auch,
wenn beispielsweise ein Kind im Stadtverkehr plötzlich und unerwartet zwischen parkenden
Fahrzeugen oder aus einer Hofeinfahrt vor das Fahrzeug läuft.
Bei der vollautomatisierten Fahrzeugführung ist in derartigen Verkehrssituationen eine
Prädiktion des aktuellen Bewegungsverhaltens von Objekten in die Zukunft erforderlich.
Hier stößt auch die Technik bislang an ihre Grenzen.
Aufgrund der Vielzahl der möglichen und nicht voraussehbaren Ereignisse, insbesondere
reaktiver Aktionen anderer Verkehrsteilnehmer, steigen die Unsicherheiten der Situations-
prädiktion nach etwa 2 s–3 s so stark an, dass hierauf keine verlässliche Trajektorien
planung
mehr möglich ist. (s. Kap. 20, S. 434)
17.6 Fazit und Ausblick
Erkenntnisse aus der Verkehrsunfallforschung bestätigen: Menschliches Versagen ist die
Hauptursache von Verkehrsunfällen. Dabei treten insbesondere Fehler im Ablauf des Wahr-
nehmungsprozesses, bei der Informationsaufnahme und beim Informationszugang auf.
Um aus Unfalldaten das Sicherheitspotenzial hoch- und vollautomatisierter Fahr
zeuge
abzuschätzen, ist ein differenzierter Vergleich der Gesamtleistungsfähigkeit von Menschen
und Maschinen erforderlich. Dieser wird jedoch erst möglich, wenn exakte Kenntnisse über
die Funktionsausprägung mit den technischen Grenzen geplanter Serien
entwicklungen
verfügbar sind.
Statistisch abgesicherte Expertenauswertungen belegen bereits heute das Potenzial zu-
künftiger sicherheitsunterstützender Fahrzeug- und Fahrerassistenzsysteme. So kann be-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung