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Anwendungsfälle im Bereich des autonomen Gütertransports
18.3.5 Vollautomat mit Verfügbarkeitsfahrer – Follow-Me-Fahrzeug
In dem in Kap. 2 vorgestellten Anwendungsfall übernimmt das Fahrzeug als Vollautomat
immer dann, wenn die Szenerie freigegeben ist. Der Fahrer ist immer dabei und kann ge-
gebenenfalls die Fahrzeugführung übernehmen. Im Grunde ist es eine Ausweitung des
Autobahnpiloten hinsichtlich der freigegebenen Szenerien und der zulässigen Geschwin-
digkeit und kommt dem autonomen Fahren sehr nahe.
Dieser Anwendungsfall ist aus wirtschaftlicher Perspektive nur dann interessant, wenn
der begleitende Fahrer in dieser Zeit wertschöpfenden Tätigkeiten nachgehen kann. Gera-
de auf der sogenannten letzten Meile könnte die nächste Zustellung administrativ bereits
während der Fahrt vor- bzw. nachbereitet werden. Derartige Fahrzeugkonzepte wären aber
auch für den Einsatz im Personenwirtschaftsverkehr denkbar, beispielsweise für Tätig-
keiten in der Altenpflege, in der Versicherungsvertretung etc., die ebenfalls mit Dokumen-
tations- und Verwaltungstätigkeiten verbunden sind.
Als eine Vorstufe für einen Vollautomaten mit Verfügbarkeitsfahrer kann die bereits im
Jahr 2011 vorgestellte Konzeptstudie „EmiL“ für ein teilautonomes Zustellfahrzeug dienen
[18]. Bei diesem Fahrzeugkonzept muss der Zusteller nicht immer ein- und aussteigen,
sondern kann über das Mobiltelefon das Fahrzeug anweisen, in Schrittgeschwindigkeit
neben ihm herzufahren (Follow-me-Funktion). Bei allen unbekannten Situationen (z. B.
Einmündungen, Kreuzungen) ist zusätzlich der DriveStick-Modus vorgesehen, mit dem bis
zu sechs km/h schnell gefahren werden kann. Durch die Nutzung einer lokalen WLAN-
Verbindung wird einem Signalabbruch, wie er bei GPS-Verbindungen befürchtet wird und
auftreten kann, entgegengewirkt.
Im Rahmen des Forschungsprojektes konnte eine Einsparung an täglicher Zustellzeit
von 40 Minuten ermittelt werden. Das typische Verletzungsrisiko durch Verdrehen und
Umknicken beim Aussteigen wird verringert.
18.3.6 Valet-Parken – Valet delivery
Das Valet-Parken bezeichnet den Anwendungsfall, in dem der Fahrroboter das Fahrzeug
an einen zuvor zugewiesenen freien Parkplatz autonom navigiert. Im vorgestellten Konzept
in Kap. 2 wird davon ausgegangen, dass dies auch im öffentlichen Raum bis zu einer Ge-
schwindigkeit von 30 km/h möglich sein könnte. Ein Beispiel wäre die autonome Fahrt
vom Wohnstandort des Fahrers zu einem definierten Parkplatz. Dieser Anwendungsfall ist
für den Güterverkehr allerdings kaum vorstellbar, da es selten reservierte Lkw-Parkplätze
mit einer Anbindung über das Nebenstraßennetz gibt.
Viel eher denkbar ist der Fall, dass in engen Innenstädten und in häufig nicht für große
Lkw ausgelegten Anlieferzonen von Industrie und Handel der Fahrroboter das Einparken
des Fahrzeugs oder das Andocken an die Rampe autonom übernimmt. Dadurch könnten
teure Bagatellschäden verhindert werden. Der Fahrer wird von stressbehafteten Fahrauf-
gaben entlastet, insbesondere dann, wenn er zugleich noch für die ermüdende, lange Auto-
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