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PrÀdiktion von maschineller Wahrnehmungsleistung beim automatisierten
Fahren426
2. Existenzunsicherheit
Die Existenzunsicherheit beschreibt die Unsicherheit darĂŒber, ob ein von der Sensorik
erkanntes und in die UmgebungsreprĂ€sentation ĂŒbernommenes Objekt ĂŒberhaupt real
existiert. Fehler dieser Art können durch UnzulÀnglichkeiten in den Signalverarbei-
tungsalgorithmen oder durch Fehlmessungen der Sensoren selbst entstehen.
3. Klassenunsicherheit
Hiermit ist die Unsicherheit hinsichtlich der korrekten semantischen Zuordnung
gemeint, die durch UnzulÀnglichkeiten der Klassifikationsverfahren bzw. nicht aus-
reichend gute Messdaten verursacht werden können.
FĂŒr die Anwendung des automatisierten Fahrens ist es notwendig, die Unsicherheiten bzw.
Fehler in den verschiedenen DomÀnen zuverlÀssig zu erkennen und, falls möglich, sogar
prÀdizieren zu können. Methodisch werden zur Behandlung von Unsicherheiten nach dem
Stand der Technik fast ausnahmslos Verfahren basierend auf der Bayes-Theorie [10], [11],
[12] oder ihrer Verallgemeinerung, der Dempster-Shafer-Theorie [16], verwendet. Sie
besitzen den Vorteil, dass sie eine durchgehend probabilistische und daher weitgehend
heuristikfreie Behandlung der UnsicherheitsdomÀnen erlauben.
Die o. g. UnsicherheitsdomÀnen beziehen sich im engeren Sinne zunÀchst nur auf die
bordeigene Sensorik. Es lassen sich allerdings auch Fehler in Informationen aus einer
digitalen Karte oder den durch Car2x-Kommunikation gewonnenen Daten entsprechend
kategorisieren. Gerade die zuletzt genannte Car2x-Kommunikation birgt zwar durch
mögliche variable Latenzzeiten bei der Ăbertragung und eventuell nicht genau bekannte
Unsicherheitsbewertungen der Sendequellen zusĂ€tzliche FehlereinflĂŒsse. Die Auswirkun-
gen lassen sich jedoch wieder den drei genannten UnsicherheitsdomÀnen zuordnen, sodass
hierauf nicht weiter eingegangen wird.
20.3.2 Zustandsunsicherheit
Die Zustandsunsicherheit eines detektierten Objektes wird gemÀà der Bayes-Theorie durch
eine Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion beschrieben, anhand derer der wahrscheinlichste
Gesamt- bzw. Einzelzustand sowie mit gewisser Wahrscheinlichkeit auch mögliche Varia-
tionen hiervon bestimmt werden können. Im Fall einer mehrdimensionalen, normalverteil-
ten Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion ist die Zustandsunsicherheit durch eine Kovarianz-
matrix vollstÀndig reprÀsentiert.
Bei der SchĂ€tzung statischer GröĂen wie beispielsweise die Fahrzeugabmessungen kann
deren Zustandsunsicherheit durch wiederholte Messungen immer weiter verringert werden.
Der SchĂ€tzwert auf Basis der verfĂŒgbaren Messungen konvergiert gegen den wahren Wert,
falls kein systematischer Sensorfehler, beispielsweise in Form eines Offsets, vorliegt. Bei
der SchÀtzung von dynamischen, zeitverÀnderlichen ZustÀnden wie der Objektposition
oder Objektgeschwindigkeit ist aufgrund der Bewegung des Objektes zwischen den Mess-
zeitpunkten die Konvergenz gegen einen wahren Wert nicht mehr gegeben. Bei der Bewer-
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