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Folgerungen für die maschinelle Wahrnehmungsleistungsprädiktion
technische Leistungsfähigkeit eines automatisierten Fahrzeugs überhaupt als kritisch zu
bewerten ist. Für die Absicherung automatisierter Fahrzeuge gewährleistet das Abfahren
eines vordefinierten Kilometerumfangs in jedem Fall nicht, dass der dadurch entstehende
Datensatz alle möglichen kritischen Situationsentwicklungen (Episoden) enthält. Folglich
ist eine Absicherung der Funktionssicherheit auf diese Art und Weise nicht möglich, un-
abhängig davon, dass die zum statistischen Nachweis der sehr geringen Fehlerraten not-
wendigen Kilometerleistungen weder praktisch noch wirtschaftlich realisierbar wären.
Eine mögliche zukünftige Forschungsaufgabe wäre daher die Suche nach einer ge-
eigneten mathematischen Repräsentation beliebiger Episoden, die dann den Raum aller
möglichen Episoden aufspannen. Aufbauend auf dieser Beschreibung kann dann beispiels-
weise durch sogenannte Monte-Carlo-Simulationen der gesamte Episodenraum in kritische
und unkritische Teilbereiche strukturiert werden, um hieraus eine Aussage zu notwendigen
spezifischen Tests ableiten zu können. Ein möglicher methodischer Ansatz hierzu ist das
Rejektion-Sampling, wobei jedes Sample eine vollständige Episode repräsentiert. Ausge-
hend von Grundepisoden, die sich beispielsweise durch unterschiedliche Fahrbahntypen
(ein, zwei oder drei Fahrstreifen pro Richtung, Gegenverkehr) oder die Anzahl der Fahr-
zeuge im Nahbereich unterscheiden, werden durch statistische Variation der Episodenpa-
rameter ähnliche Situationen generiert. Bei einer hinreichenden Anzahl an Samples besteht
die Erwartung, den Episodenraum vollständig abzudecken. Jede gezogene Episode wird
dabei auf ihre physikalische Realisierbarkeit überprüft und irrelevante Episoden verworfen.
Die verbleibenden Episoden werden anschließend dahingehend überprüft, ob sich bei-
spielsweise kritische Zeitlücken oder Abstände zwischen Objekten ergeben. Die Kriterien
hierfür sind ebenfalls geeignet festzulegen. Die Identifikation und Priorisierung kritischer
Situationen erfolgt durch ein folgendes Clustern im Episodenraum.
Ziel eines solchen Vorgehens wäre es, durch die hierarchische Vorgehensweise eine
möglichst vollständige, aber dennoch handhabbare Menge potenziell kritischer Episoden
zu bestimmen. Diese werden im Anschluss anhand simulierter Daten hinsichtlich der
Beherrschbarkeit durch das hochautomatisierte System bei verschiedenen Stufen der
maschinellen Wahrnehmungsleistung untersucht. Beispielsweise könnten für ein Sensor-
Setup im Fahrzeug individuelle Reichweiten, Erfassungswinkel und Detektionsraten
modelliert werden, um dann systematisch die Konsequenzen für das Verhalten des Fahr-
zeugs in kritischen Episoden zu untersuchen. Diese Untersuchung kann zunächst für ein
voll funktionsfähiges System und im Anschluss unter der Annahme eines Ausfalls von
Einzelkomponenten durchgeführt werden.
Eine weitere offene Forschungsfrage ist die nach einer zuverlässigeren Situationsprä-
diktion, die unter Nutzung von Kontextinformationen und Hypothesen über das zukünftige
Verhalten der Verkehrsteilnehmer prinzipiell längere Prädiktionszeiträume ermöglicht.
Eine derartige Vorgehensweise wäre insofern gerechtfertigt, als dass unser gesamter Ver-
kehr auf der Kooperation der Verkehrsteilnehmer beruht. Nachteilig hieran wäre natürlich,
dass ein unkooperatives Verhalten oder auch schlicht Fehler anderer Verkehrsteilnehmer
dann natürlich nicht erwartet und in die Handlungsplanung eines automatisierten Fahrzeugs
mit einbezogen werden können. Insofern erlauben solche Ansätze keine weitreichende
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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