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Ansätze für das Lösen der Freigabeherausforderung
Eine Alternative ist das Testen von realen Fahrzeugen in einem künstlichen Umfeld:
Dies entspricht der Fahrt auf einem Testfeld, denn dort sind zum einen Situationen künstlich
hergestellt und zum anderen besitzen die „Verkehrsteilnehmer“ das Bewusstsein, sich in
einem Test zu befinden. Zugunsten der Sicherheit, Variierbarkeit, Beobachtbarkeit sowie
der Reproduzierbarkeit wird die Realität vereinfacht. Aus ökonomischen Gesichtspunkten
werden zwar Testfälle gezielt getestet und müssen nicht wie in Realfahrten per Zufall
erfahren werden, jedoch bedarf der Aufbau des Testfelds zusätzliche zeitliche wie finan-
zielle Mittel.
Des Weiteren könnte sich ein künstliches Fahrzeug in einem realen Umfeld bewegen;
künstlich bezieht sich in diesem Fall beispielsweise auf die Ausstattung des autonomen
Fahrzeugs mit einem Überwacher, der die Möglichkeit hat, in die Fahraufgabe einzugreifen.
Dies kann zum einen ein Testfahrer mit Lenkrad und Pedalerie sein oder aber ein technisches
System, das aufgrund von leistungsfähigerer (Zusatz-)Sensorik dem Seriensystem überlegen
ist. Werden Komponenten künstlich dargestellt, leidet darunter die Realitätsnähe, jedoch
wird an Sicherheit, Reproduzierbarkeit und Beobachtbarkeit gewonnen.
Neben der Möglichkeit, Umfeld und Fahrzeug künstlich zu gestalten, existieren Werk-
zeuge, die sich einer virtuellen Repräsentation in Form von Computersimulationen bedie-
nen. Dabei sind die zwei Felder, die real und virtuell kombinieren, grau hinterlegt, da
diese streng genommen nicht existieren, denn Sensoren und Steller haben genau die Auf-
gabe der Wandlung zwischen virtuellen und realen Signalen. Ein realer Radarsensor kann
kein virtuelles Umfeld sensieren, und ein virtueller Wechselrichter kann keine reale Span-
nung erzeugen.
Was jedoch möglich ist, sind Kombinationen aus künstlichem und virtuellem Umfeld
bzw. Fahrzeug: Als Beispiel dafür existieren unterschiedliche Konzepte von Vehicle-in-the-
Loop (ViL). Um den Kreis aus Aktionen und Reaktionen von Umfeld und Fahrzeug zu
schließen, werden reale Komponenten in der Simulation in Form von Modellen abgebildet.
Dabei werden entweder die angesprochenen Sensoren bzw. Steller stimuliert, also künstlich
angeregt; Beispiele hierfür sind simulationsbasierte Videos als Stimulanz für Kamera-
systeme oder Rollenprüfstände als Stimulanz für Antriebssteller. Oder die Testwerkzeuge
simulieren direkt die Leistungssignale wie z. B. die elektromagnetische Welle und ver-
suchen, reale Effekte von Sensoren und Stellern in der Simulation mithilfe von Modellen
darzustellen. Für weitere Informationen dazu s. Bock [27] oder Hendricks [28]. Der be-
schriebene Einsatz von Modellen stellt die Aussagekraft dieser Testwerkzeuge infrage. Um
valide Aussagen mithilfe solcher Modelle zu erhalten, ist der Nachweis zu erbringen, dass
diese Modelle keine unzulässigen Vereinfachungen beinhalten; „unzulässig“ ist hier im
Kontext der Funktion zu sehen und bedeutet, dass Abweichungen von der Realität nur
unterhalb der Toleranzen der Funktion zulässig sind. Wenn jedoch diese Validität nachge-
wiesen wurde, erlaubt das Testwerkzeug eine größere Sicherheit bei der Testdurchführung,
da sich Teile des Umfelds und das Fahrzeug nur noch in der virtuellen Welt begegnen.
Aufgrund der virtuellen Komponenten sind diese Testwerkzeuge von einer größeren Vari-
ierbarkeit, Beobachtbarkeit und Reproduzierbarkeit gekennzeichnet. Aus ökonomischer
Sicht besitzt dieses Testwerkzeug den Vorteil, das virtuelle Umfeld einfach zu variieren
Autonomes Fahren
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