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Die Freigabe des autonomen
Fahrens462
oder aber das Fahrzeug in unterschiedlichsten Varianten darzustellen. Von ökonomischem
Nachteil könnte sich die Validierung der Modelle erweisen (vgl. Herausforderung bei SiL).
Ein Vorteil dieses Testwerkzeugs ist die Möglichkeit, basierend auf dem simulierten Fahr-
zeug, bereits frühzeitig in der Entwicklung Tests durchzuführen.
Die letzte Stufe der Abstraktion repräsentiert die Kombination eines virtuellen Fahr-
zeugs und des virtuellen Umfelds: Das mit Software-in-the-Loop (SiL) bezeichnete Test-
werkzeug stellt dabei den geschlossenen Regelkreis durch die Modellierung relevanter
Komponenten in der Simulation dar. Anders als bei den Testwerkzeugen zuvor, ist die ge-
samte Testwelt virtuell. Die Tests sind sicher, variierbar, beobachtbar und reproduzierbar;
außerdem besteht die Möglichkeit, dieses Werkzeug bereits frühzeitig in der Entwicklung
einzusetzen. Den ökonomischen Vorteil bildet die Hardware-Unabhängigkeit, denn somit
ist keine Verknüpfung an die Echtzeit mehr vorhanden. Die Ausführung der Tests wird rein
durch Rechenleistung begrenzt; Simulationen können Tag und Nacht sowie massiv parallel
erfolgen. Demgegenüber steht die Realitätsnähe der virtuellen Testwelt und somit jedes
einzelnen Modells: Nur wenn die Validität der eingesetzten Modelle nachgewiesen wurde,
besitzen virtuelle Tests die Aussagekraft für eine Freigabe. Dementsprechend muss für die
ökonomische Betrachtung von simulationsbasierten Verfahren vor allem die Validierung
der Modelle betrachtet werden.
Die gleiche Herausforderung existiert für den Einsatz von formalen Methoden. Mitsch
schreibt diesbezüglich: “We do … prove that collisions can never occur (as long as the robot
system fits to the model).” [26] Das bedeutet, auch für formale Methoden bedingt
der Realitätsgrad der eingesetzten Modelle die Aussagekraft der Ergebnisse. Eine be
sondere
Herausforderung und somit im Fokus der Forschung steht beispielsweise die Formalisierung
der Unsicherheiten von Sensoren oder der Eigenschaft von weiteren Verkehrsteilnehmern.
Die Diskussion der Testwerkzeuge zeigt das Potenzial, die Freigabe zu beschleunigen:
Mithilfe von künstlich erzeugtem Umfeld und Fahrzeug können Testfälle gezielt aufgebaut
und angefahren werden. Zusätzlich ermöglicht der virtuelle Ansatz, die Tests abhängig von
der eingesetzten Rechenleistung zu beschleunigen und zu parallelisieren.
Die Diskussion zeigt aber auch, dass die Validität und somit die Aussagekraft der Tests
mit Einführung von künstlichen und virtuellen Komponenten zur Herausforderung wird.
21.7 Fazit
Das autonome Fahren unterscheidet sich besonders durch den Wegfall des menschlichen
Überwachers von assistierten oder teilautomatisierten Systemen und dessen Fähigkeiten
zur Korrektur dieser Systeme. Die Metrik, bestehend aus Realfahrt und Fahrerlaubnistest,
die eine Aussage über die Sicherheit aktuell in Serien befindlicher Automatisierungsgrade
ermöglicht, ist für das autonome Fahren nicht mehr gültig. Der daraus folgende Wegfall
der Raffung von Testfällen führt dazu, dass aktuelle Testkonzepte nicht geeignet sind, um
das neue System des autonomen Fahrens abzusichern. Das Festhalten an aktuellen Test-
konzepten würde zu einem ökonomisch nicht vertretbaren Aufwand führen und zur Frei-
Autonomes Fahren
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